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Haus



Das Lehmannsche Haus
Am Neuen Markt/Schwertfegerstraße —
Sitz des ZZF Potsdam

Heutiger Zustand nach der Sanierung

Seit Dezember 2001 ist das Haus Am Neuen Markt 1/Schwertfegerstraße 8 das Domizil des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

Als einziger Platz in der historischen Stadtmitte Potsdams hat der Neue Markt die Kriegszerstörungen weitgehend unbeschadet überstanden. Wenn auch der Verfall der Bausubstanz in der DDR-Zeit mangels Ressourcen voranschritt und 1989/90 ein dramatisches Ausmaß angenommen hatte, so blieben die Gebäude doch immerhin vom Abriß verschont.

Zustand vor der Sanierung 1993*

In den neunziger Jahren konnten die Bürgerhäuser und der Kutschstall restauriert und der Platz neu bepflastert werden, so daß der Neue Markt heute der einzige noch annähernd vollständig erhaltene Stadtplatz des 18. Jahrhunderts in Potsdam ist: ein bauhistorisches Kleinod.

Blick vom Neuen Markt zur Nikolaikirche 1911,
rechts im Bild das Haus Schwertfegerstraße 8*

Das Haus Am Neuen Markt 1 wurde 1753 auf Veranlassung von König Friedrich II. errichtet und befand sich ursprünglich im Besitz der Familie Krumbholz. Der Baumeister ist unbekannt; Vermutungen konzentrieren sich auf Friedrich Wilhelm Diterichs (1702-1789). Doch nahm die Geschichte dieses Hauses einen von den anderen Bürgerhäusern am Neuen Markt abweichenden, besonderen Weg: Der spätere König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) bewohnte das Krumbholzsche Haus von 1764 bis zu seiner Thronbesteigung im Jahr 1786 und mietete das vom königlichen Baumeister Heinrich Ludwig Manger 1765 errichtete Nachbarhaus Schwertfegerstraße 8, das sogenannte Lehmannsche Haus, gleich dazu.

Hier wurde am 3. August 1770 sein Sohn, der spätere König Friedrich Wilhelm III. geboren. Ein an der Hauswand angebrachter Gedenkbaldachin erinnerte an den ersten Preußen-König aus dem Hause Hohenzollern, der in Potsdam zur Welt kam und von 1797 bis 1840 Preußen regierte. 1946 wurde die Gedenktafel im Zuge der Maßnahmen gegen den "preußischen Militarismus" vom Haus abgeschlagen. Ebenfalls im Lehmannschen Haus wurde am 22. Juni 1767 Wilhelm von Humboldt geboren; sein Vater Alexander Georg Freiherr von Humboldt war einer der Kammerherren der Kronprinzessin und lebte mit seiner Frau Elisabeth Colomb bis 1769 im Hause des Kronprinzen.

Das Kabinetthaus, Am neuen Mark 1, Aufnahme von 1911*

Konzerte und Bälle des Kronprinzen lockten die Gesellschaft an: für kurze Zeit war Am Neuen Markt 1 einer der Mittelpunkte der vornehmen Potsdamer Gesellschaft. Der thronnachfolge-bedingte Auszug von Friedrich Wilhelm II. leitete zur wechselreichen Geschichte des Doppel-Hauses über: Von 1788 bis 1806 nahm die Königliche Ingenieur-Akademie hier ihren Sitz; zivile Ausbildungsgänge zum Landvermesser, Bauhandwerker, Land- und Wasserbaumeister standen neben militärischen Lehrfächern wie Festungsbau, artilleristische Feldvermessung und theoretisches Zeichnen der Belagerungskunst. 1833 kaufte die Krone das Haus für das Königlich-Preußische Kabinett; seitdem ist das Gebäude als "Kabinetthaus" bekannt.

Der Kutschpferdestall am Neuen Markt 9, Aufnahme von 1911/12*

Von 1905 bis 1917 bewohnte Kronprinz Wilhelm (1882-1951), der Sohn Kaiser Wilhelms II., das Haus. Danach wurde es bis 1945 vom Preußischen Katasteramt genutzt; in DDR-Zeiten war das Gebäude teils bewohnt, teils beherbergte es die beim Ministerium des Innern angesiedelte Geodätisch-Kartographische Inspektion. In den Jahren 1999 bis 2001 konnte der teilweise einsturzgefährdete Komplex schließlich mit Mitteln der "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" aufwendig wiederhergestellt werden.

Das Haus Am Neuen Markt 1/Schwertfegerstraße 8 beherbergt heute neben dem ZZF die Tourismusgesellschaften des Landes Brandenburg und der Stadt Potsdam. In unmittelbarer Nachbarschaft, ebenfalls Am Neuen Markt befinden sich das Einstein-Forum und das Moses-Mendelssohn- Zentrum für jüdische Studien. Im sogenannten "Kutschstall" hat das Museum für Brandenburgisch-Preußische Geschichte seit 2001 seinen Sitz. Das Filmmuseum Potsdam liegt ebenfalls in unmittelbarer Nähe.



* Aus: Karin Carmen Jung, Potsdam, Am Neuen Markt. Ereignisgeschichte, Städtebau, Architektur, Berlin 1999.

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