LanguageSwitcher
   Projekte 2015       Projekte 2014       Projekte 2013       Projekte 2012       Projekte 2011       Projekte 2010       Projekte 2008       Projekte 2006/2007   

Projektbereich I

Berlin und sein Brandenburger Umland im Ost-West-Konflikt 1948/49 - 1990

 

Leiter: Michael Lemke
Laufzeit: Januar 2006 - Dezember 2007

Michael Lemke
Das doppelte "Schaufenster" in der Region: Berlin und sein Brandenburger Umland in der innerdeutschen Systemkonkurrenz 1948-1961

Das Projekt untersucht die Ost-West-Systemauseinandersetzung in Berlin und seinem Brandenburger Umland als Konkurrenz zweier "Schaufenster", die einander entgegengesetzte Ordnungen repräsentieren. Für diese warben ihre politischen Vertreter mit alternativen Angeboten, konkreten Maßnahmen sowie durch die Art und Weise ihrer Selbstdarstellung. Die Untersuchng erfasst einerseits die politischen Konzepte der "Schaufenster" und die damit verbundene Propaganda, andererseits die Wechselbeziehungen zwischen beiden Seiten. Es werden die Ursachen, Inhalte und Methoden einer auf Anziehung zielenden Politik herausgearbeitet und die Interessen, Handlungsspielräume und Interaktionen der politischen Gestalter der "Schaufenster" unter der leitenden Fragestellung thematisiert, inwiefern sie ihnen eine systemstabilisierende innere und eine nach außen gerichtete Aufgabe zumaßen. Im Zeitraum 2006-2007 stehen dabei Analysen des kulturellen und alltagspolitischen Wettbewerbs sowie dessen Wirkungen sowohl auf das Spannungsverhältnis von politischer Spaltung und Bewahrung des Raumes als auch den Alltag der Bevölkerung im Mittelpunkt.

Igor J. Polianski
Die "Natur" des Kalten Krieges. Naturwissenschaftliche Präsentation und populärwissenschaftliche Propaganda im geteilten Berlin 1948-1961

Das Projekt fragt nach Popularisierungspraktiken der Naturwissenschaften und damit verbundenen Formen der Naturrepräsentation im Kontext entsprechender kultur-, umwelt- und wissenschaftspolitischer Konzepte, die unter den Bedingungen des Ost-West-Konflikts in Berlin entstanden sind. Es geht von der These aus, daß nach der historischen Zäsur 1945 das Naturbild und die Mensch-Natur-Beziehung in Deutschland in der Form einer doppelten Alternative einerseits in der Distanzierung von der NS-Vergangenheit und andererseits in den gegenseitigen Limitationen konkurrierender Weltordnungen große ideologische Tragweite erhielten und im Berliner "Schaufenster" zum Feld einer unmittelbaren Systemkonkurrenz avancierten. Anhand einzelner Präsentationsmedien (z.B. die URANIA Ost und West, Berliner Grünanlagen u.a.) analysiert das Projekt die massenwirksame Darbietung von Natur und Naturforschung mit den Schwerpunkten Biowissenschaften, Naturschutz und Landschaftspflege sowie Physik, Astronomie und Raumfahrt, die das kulturelle Gedächtnis der geteilten Stadt langfristig prägte.

Melanie Arndt
Berliner Gesundheitspolitik in der Systemkonkurrenz 1948/49 bis 1961

Der Aufbau der Gesundheitssysteme in Ost- und West-Berlin zwischen 1948/49 und 1961 steht im Vordergrund dieses Dissertationsprojektes. Unter Ausschluss des konfessionellen Bereichs werden die unterschiedlichen, aber auch ähnlichen gesundheitspolitischen Vorstellungen, Ziele und Konzepte in den beiden Stadthälften sowie deren Umsetzung kontrastierend betrachtet. Die Dissertation analysiert die Ursachen und Hintergründe, die unter dem Einfluss der Systemkonkurrenz zu den besonderen Entwicklungen und Entscheidungen in der Berliner Gesundheitspolitik beitrugen. Infolge der spezifischen Konstellation in Deutschland setzten sich in der DDR und der Bundesrepublik zwei unterschiedliche wohlfahrtsstaatliche Traditionsstränge fort, die auch in der geteilten Stadt zu zwei distinktiven gesundheitspolitischen Modellen führten. Die Analyse berücksichtigt die Konflikte in beiden Teilen Berlins, die aus der Notwendigkeit resultierten, sowohl ein soziales als auch ein leistungsstarkes und kostengünstiges Gesundheitswesen zu schaffen, das die akuten Probleme lösen und im Wettbewerb mit der jeweils anderen Stadthälfte bestehen konnte. In diesem Zusammenhang wird untersucht, ob und inwieweit die Systemkonkurrenz, die nach 1948 gesundheitspolitisch noch durch ein relativ hohes Maß an Interaktion zwischen beiden Teilen der Stadt und praktische Kooperation gekennzeichnet war, zu dem starken innerstädtischen Abgrenzungsprozess beitrug, der entscheidende Reformen verzögerte oder aber beschleunigte.

Thomas Klein
Die Westberliner Einheitssozialisten - eine "Ostdeutsche" Partei als Stachel im Fleische der "Frontstadt"?

Für drei paradigmatische Entwicklungsabschnitte der Geschichte der SED-W/SEW sollen anhand eines Themenrasters die Charakteristika und Besonderheiten des politischen Agierens eines im "feindlichen Territorium" organisierten "Brückenkopfs" der SED untersucht werden. Nicht die vollständige Darstellung dieser Fremdsteuerung selbst, sondern die tatsächliche Wirkungskraft der SED-W/SEW innerhalb ihrer verschiedenen Aktionsfelder Westberliner Politik steht im Fokus des Vorhabens. Für die Zeit im Umfeld der Berlinpolitischen Wende 1958/59-61, der DDR-politischen Neuorientierung der SPD in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre und der Zusammenbruchskrise der SEW ab 1986 sollen das bündnispolitische Agieren, die Einflusstiefe der Partei in der Westberliner Binnenpolitik und die innerparteiliche Opposition in der SEW analysiert werden. Das Vorhaben zielt neben dem parteigeschichtlichen Ertrag ebenso auf einen Beitrag zur Geschichte von kaltem Krieg und Entspannung im geteilten Berlin.

Danuta Kneipp
Geschlossene Gesellschaft - Berufsverbote in der Veränderung oppositioneller Gruppierungen in der Hauptstadt der DDR 1970-1989

Im Projekt sollen Ursachen und Formen von Berufsverboten in der DDR anhand einer herausgehobenen Region, der Hauptstadt der DDR, dargestellt und in ihrem Einfluß auf die Bildung und Veränderung oppositioneller Strömungen untersucht werden. Ende der 70er Jahre gelang der Staatsmacht die Zerschlagung verschiedener konspirativer, oppositioneller Zusammenhänge und die Isolierung der "nichtentwaffneten" Oppositionellen unter weitgehendem Verzicht auf die Anwendung, wenn auch nicht auf die Androhung strafrechtlicher Sanktionen. Die soziale Ausgrenzung aus der "geschlossenen Gesellschaft" der offiziellen DDR sollte die effektive Eindämmung des Einflusses oppositioneller Strömungen garantieren. Die Möglichkeiten zu weiterer oppositioneller Tätigkeit konnten durch die Zuweisung eines im strengen Sinne erschöpfenden Arbeitsplatzes oder den Zwang zum Rückzug in soziale und ökonomische Nischen erheblich eingeschränkt werden. Die Reaktionen der direkt Betroffenen wie ihrer Umgebung fielen sehr unterschiedlich aus. Neben den erwünschten Kapitulationen vor Partei und Staat gab es die Ausreiseersuchen, den Rückzug innerhalb der Wissenschaft oder den bewußten Verzicht auf einen anerkannten Platz in der staatlich regulierten Arbeitsteilung und schließlich auch die Suche nach neuen Aktionsformen und Kooperationspartnern in unterschiedlichen widerständigen Milieus. Anhand der alltäglichen Folgen sozialer Repression kann die soziale Charakteristik der Berliner Opposition im Herbst 1989 erschlossen werden. Ein Vergleich mit ähnlichen Herrschaftstechniken in Polen und der Tschechoslowakei ermöglicht eine Übersicht über Entstehungs- wie Reproduktionsbedingungen von Opposition in "realsozialistischen" Gesellschaften.

Ulrich Huemer
MfS-Untersuchungshaft - Aufbau und Wandel eines DDR-Repressionsinstrumentes am Beispiel der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen

Gegenstand der Dissertation ist die Untersuchungshaft beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in den 70er- und 80er-Jahren, wobei die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA I) in Berlin-Hohenschönhausen im Zentrum der Darstellung steht. Untersucht wird zunächst die Frage, wie dieses Instrument der geheimdienstlichen Untersuchungshaft in der DDR genutzt wurde, welche Personengruppen also vom MfS in U-Haft genommen wurden, und wieso dieses Gefängnissystem neben den Untersuchungshaftanstalten des MdI notwendig war. Dabei werden auch die Entwicklung des politischen Strafrechts und die Rechtspraxis insbesondere gegen Ausreisewillige im Untersuchungszeitraum in den Blick genommen.

In einem zweiten Teil wird die konkrete Ausgestaltung und der Verlauf der Untersuchungshaft beim MfS dargestellt. Das umfasst die rechtlichen Grundlagen der U-Haft, die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften, die Untersuchungsführung, die konkreten Haftbedingungen, die Kontaktmöglichkeiten zu Angehörigen und Anwälten sowie "besondere Vorfälle" in der U-Haft, also unerwünschte Reaktionen von Häftlingen wie z.B. Selbstmordversuche, Nahrungsverweigerung, Angriffe auf Wachposten.

In einem dritten Teil der Arbeit wird der Blick von außen auf die MfS-U-Haft untersucht. Das betrifft im Westen, insbesondere in der BRD angesiedelte Institutionen, die sich ihrerseits mit der MfS-U-Haftpraxis beschäftigten: Geheimdienste (in der Wahrnehmung des MfS), die Bundsregierung und die Ständige Vertretung in Ostberlin, die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter, Menschenrechtsorganisationen sowie die Öffentlichkeit.

Veronika Gerber
Schulpolitik und Schulwirklichkeit im geteilten Berlin 1948-1961 (Beginn Oktober 2006)

Das Dissertationsvorhaben untersucht die konkurrierende Schulpolitik im geteilten Berlin während des Kalten Krieges auf zwei Ebenen: Anhand der beiden Stadtregierungen und ausgewählter Schulen (Fallbeispiele). Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die Frage nach der Wiederaufnahme alter und der Entwicklung neuer Schulkonzepte nach dem Untergang des NS-Staates. Die Untersuchung fragt, warum und in welcher Weise sich die im Nachkriegsberlin bis 1948 noch relativ einheitliche deutsche (und alliierte) Schulpolitik veränderte und zum Ausdruck für zwei "innerstädtische" konkurrierende Ordnungen wurde. Da der Schule in den jeweiligen politischen Repräsentationssystemen, den "Schaufenstern", eine wichtige Funktion zukam, steht im Mittelpunkt die Analyse der Methoden, mit denen die eigene Überlegenheit über das jeweils andere Schulsystem demonstriert werden sollte. Unter dem Konkurrenzaspekt wird nach der Rolle von Bildungszielen und -inhalten bzw. von materiellen Anreizen in der Schulkonkurrenz gefragt. Anhand ausgewählter Schulen (vier Fallbeispiele) soll darüber Auskunft gegeben werden, wie konkurrenzrelevante Entscheidungen der Führungsebenen "vor Ort" wahrgenommen, realisiert und hier gegebenenfalls modifiziert wurden.

Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).