LanguageSwitcher
   Projekte 2015       Projekte 2014       Projekte 2013       Projekte 2012       Projekte 2011       Projekte 2010       Projekte 2008       Projekte 2006/2007   

Projektverbund "Europa im Ostblock. Vorstellungswelten und Kommunikationsräume im Wandel"

Bearbeiter:Christian Domnitz/José M. Faraldo/Paulina Gulińska

 

Am 1. Mai 2004, zeitgleich mit den Feierlichkeiten der Osterweiterung der Europäischen Union nahm die Projektgruppe "Europa im Ostblock. Vorstellungswelten und Kommunikationsräume im Wandel" ihre Arbeit auf.

Anliegen des von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojektes ist es, sich im Rahmen einer kulturhistorischen Untersuchung mit der Entwicklung der Europavorstellungen auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhanges im Zeitraum von 1945 bis 1991 auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Europa als zusammenhängender Kommunikationsraum durch die Blockbildung im Kalten Krieg zerrissen worden ist. Die europäische Einigung, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch eine gesamteuropäische Bewegung war, ist auf die westliche Seite des Kontinents zurückgedrängt und die osteuropäischen Gesellschaften sind infolge der Spaltung Europas durch den Kalten Krieg ausgeschlossen worden.

Die Annahme, dass West- und Osteuropäer, nachdem sie über fünf Jahrzehnte in getrennten kulturellen Sphären gelebt und jeweils eigene historische Erfahrungen gemacht haben, heute über ähnliche oder gar identische Vorstellungen von Europa verfügen, ist alles andere als nahe liegend. Das Wort "Europa" war in den osteuropäischen Gesellschaften nach 1945 Gegenstand diverser offizieller wie inoffiziell-dissidentischer Diskurse, in denen sich ganz unterschiedliche Vorstellungen mit Europa verbanden: Europa als Feindbild in den 50er Jahren, als der (west)europäische Einigungsprozess von den kommunistischen Führungen als imperialistisch-antisowjetische Blockbildung verunglimpft wurde, Europa als gemeinsamer west-östlicher Referenzrahmen für die europäischen Regierungen während des KSZE-Prozesses, Europa als Chiffre ostmitteleuropäischer Dissidenten, die - wie in den Beiträgen zur "Mitteleuropa"-Debatte der 80er Jahre - die Künstlichkeit der Blockbildung und die Spaltung Europas anprangerten.

Das Projekt besteht aus drei Teilprojekten, die jeweils einer bestimmten Zeitspanne, gleichzeitig aber auch einem Wendepunkt der osteuropäischen Europa-Diskurse gewidmet sind: der Formierung des Ostblocks gegen den Westen und der westeuropäischen Einigung in der ersten Dekade nach dem Zweiten Weltkrieg, dem KSZE-Prozess in den 70er Jahren, in dessen Rahmen es in Osteuropa zu einer positiven Bezugnahme auf den Europabegriff kam, schließlich den 80er Jahren als der Phase der allmählichen Auflösung des Ostblocks, durch die es in allen osteuropäischen Gesellschaften zu einem Umorientierungsprozess kam, in dem Europa zum wichtigsten Bezugspunkt wurde.

 

 

 

 

Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).