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Todesopfer an der Berliner Mauer
Kooperationsprojekt des Vereins Berliner Mauer
und des Zentrums für Zeithistorische Forschung

 

Leitung: Hans-Hermann Hertle / Maria Nooke
Projektmitarbeiter: Dr. Udo Baron und Christine Brecht, M.A.
Laufzeit: Oktober 2005 - November 2007
Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)

Die Berliner Mauer gilt als Symbol für die Unfreiheit der DDR-Bevölkerung. Bis 1989 ließ das SED-Regime an der Mauer gezielt auf Menschen schießen, auf Flüchtlinge, Fahnenflüchtige, Fluchthelfer und andere so genannte "Grenzverletzer". Einzelne Todesfälle haben sich fest ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Doch bis heute sind Zahl, Identität und Schicksal der Todesopfer, die das militärische Grenzsystem an der Mauer in und um Berlin forderte, nicht vollständig bekannt.

Wie viele Menschen kamen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer ums Leben? Wer waren diese Menschen? Unter welchen Umständen starben sie? Wie gingen die DDR-Behörden mit Angehörigen und Freunden der Toten um? Welche Reaktionen lösten die Todesfälle in Ost und West aus?

Das Forschungsprojekt "Todesopfer an der Berliner Mauer" geht diesen Fragen erstmals auf breiter Quellengrundlage nach. Sowohl die Unterlagen des MfS und der DDR-Grenztruppen als auch die Verfahrensakten, die die Staatsanwaltschaft im Zuge der strafrechtlichen Verfolgung von Gewalttaten an der Berliner Mauer angelegt hat, werden systematisch ausgewertet, Zeitzeugen befragt und zeitgenössische Medienberichte herangezogen. Ziel ist es, sowohl die genaue Zahl der Todesopfer an der Berliner Mauer zu ermitteln, als auch die Lebensgeschichten und Todesumstände aller Mauertoten in Text und Bild zu dokumentieren.

Von der militärisch bewachten Grenze, die West-Berlin zwischen 1961 und 1989 umgab, gingen vielfältige Formen der Gewalt aus. Arbeitsgrundlage ist daher eine Definition des Begriffs "Todesopfer an der Berliner Mauer", die ein Spektrum von fünf Fallgruppen umfasst:

- Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet von Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR (i. d. R. durch Schusswaffeneinsatz) getötet wurden oder an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben sind

- Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet ohne Fremdeinwirkung durch einen Unfall zu Tode gekommen oder an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben sind (z. B. durch Stürze, Ertrinken, Herzversagen)

- Personen, die unabhängig von einer Flucht im Grenzgebiet aufgrund von Handeln oder Unterlassen staatlicher Organe der DDR verstorben sind (z. B. West-Berliner, die die Staatsgrenze der DDR "verletzten", indem sie über die Mauer kletterten oder Ost-Berliner, die versehentlich für Flüchtlinge gehalten und erschossen worden sind)

- Angehörige der DDR-Grenztruppen, die von Flüchtenden oder im Zusammenhang mit Fluchtaktionen im Grenzgebiet getötet oder tödlich verletzt wurden

- Personen, die durch oder bei Handlungen der Grenzorgane zu Tode kamen, z.B. bei einer Kontrolle.

Auf der Grundlage dieser Definition werden alle Todes- und Verdachtsfälle, die in den vorhandenen Listen und in der Sekundärliteratur genannt sind, in einer Datenbank erfasst und überprüft. Mehr als 125 Todesfälle können als gesichert gelten, mindestens ebenso viele Verdachtsfälle müssen geklärt, weitere Fälle gegebenenfalls neu aufgenommen werden.

Mit der quellengestützten historischen Dokumentation der Todesfälle an der Berliner Mauer will das Forschungsprojekt dazu beitragen, die Geschichte von Flucht, Mauer und Teilung differenziert aufzuarbeiten und angemessene Formen der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer zu entwickeln. Die Ergebnisse der Recherchen fließen unmittelbar in die biografischen Texte für die Andachten ein, die wochentäglich in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße für jeweils einen Mauertoten gehalten werden. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in der Ausstellung des Dokumentationszentrums Berliner Mauer, an der Gedenkstätte in der Bernauer Straße, im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam und auf der Website www.chronik-der-mauer.de zugänglich gemacht. Am Ende der zweijährigen Projektarbeit steht die Publikation eines biografischen Handbuches, das alle Todesopfer in Texten und Abbildungen porträtiert und die Todesfälle an der Berliner Mauer in den zeitgeschichtlichen Kontext einordnet.

 

Kontaktanschrift:
Projekt Mauertote
Dokumentationszentrum Berliner Mauer
Bernauer Str. 111
D-13355 Berlin

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