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Das "Lindenhotel - Das Potsdamer Geheimdienstgefängnis in der SBZ/DDR
Ausstellungsprojekt des Potsdam-Museums und des ZZF

 

Leitung: Hannes Wittenberg / Hans-Hermann Hertle
Kuratorin: Gabriele Schnell
Gestaltung: Freybeuter
Laufzeit: Januar 2006 - Dezember 2006
Gefördert durch die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Brandenburg u.a.

Die Gedenkstätte "Lindenstraße 54" steht wie kein anderer Ort in Potsdam für die Kontinuität politischer Verfolgung im 20. Jahrhundert von der NS-Zeit bis zum Ende der DDR. Von Jahr zu Jahr wächst die Anzahl der Besucher beträchtlich. Das Interesse aus der Region und aus ganz Deutschland, insbesondere auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, steht in krassem Gegensatz zu dem, was an diesem Ort bisher präsentiert werden kann und was seiner historischen, vor allem der zeithistorischen Bedeutung angemessen wäre. Unser Projekt einer Dauerausstellung, die über das historische Geschehen in moderner zeitgemäßer Gestaltungsform aufklärt, soll dieses eklatante Defizit beseitigen.

Eine wesentliche Basis der Ausstellungskonzeption ist die von der Stiftung Aufarbeitung im Jahr 2004 geförderte Studie zur Geschichte des Hauses als Staatssicherheitsgefängnis und Sitz der Abteilung IX der BVfS Potsdam (Die Häftlinge des "Lindenhotels"), durch die erstmals die Häftlingskartei eines Stasi-Untersuchungsgefängnisses ausgewertet werden konnte. Sie bietet eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Präsentation dieses Zeitabschnittes. Wir wissen nun, dass zwischen 1952 und 1989 mehr als 6.800 Menschen im Potsdamer Stasi-Untersuchungsgefängnis eingesperrt waren; wir kennen die Häftlingszahlen in den einzelnen Jahren, die Haftvorwürfe, häufig die Urteile. Aus der Materialfülle der vorgelegten Studie werden wesentliche Erkenntnisse ausgewählt, die die Stasi-Geschichte des Hauses vermitteln. Neben einer knappen Einführung in das Thema DDR-Staatssicherheit werden zum einen die einst im "Lindenhotel" ansässigen Abteilungen IX und XIV der BVfS Potsdam dargestellt. Das Hauptaugenmerk der Dauerausstellung gilt jedoch den Menschen, die hier inhaftiert und der Willkür des Systems schutzlos ausgesetzt waren. Es werden Haftbedingungen zu den unterschiedlichen Zeiten vermittelt und exemplarische Häftlingsschicksale dokumentiert.

Die Darstellung der Stasi-Epoche wird ergänzt durch die Veranschaulichung der Geschehnisse von 1945 bis 1952, als das "Lindenhotel" ein sowjetisches Geheimdienstgefängnis und Tagungsort eines Sowjetischen Militärtribunals war. Nicht nur gegenüber den überlebenden, inzwischen hochbetagten Opfern, auch gegenüber der Öffentlichkeit ist es dringend geboten, diese Zeit darzustellen und vor dem Vergessen zu bewahren. Eine Reihe vorliegender Zeitzeugenberichte wirft bereits Licht auf diese Epoche. Mit einer im Hannah-Arendt-Institut angelegten Datenbank, die etwa 70 Prozent aller von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilten deutschen Zivilisten umfasst, der einschlägigen Datensammlung des Forschungsinstitutes "Fact & Files" und der Materialsammlung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die uns alle drei für Recherchen zu dieser Ausstellung zur Verfügung stehen, werden wir unsere Materialbasis über die "Lindenhotel"-Häftlinge und SMT-Verurteilten jener Jahre erweitern und mit Recherchen in den einschlägigen Archiven ergänzen. Auf der Grundlage der zu erwartenden Ergebnisse sollen neben einer erläuternden Einführung in diese Thematik wiederum die Häftlinge und exemplarische Schicksale aus dieser Epoche im Mittelpunkt stehen.

Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).