LanguageSwitcher
   Projekte 2015       Projekte 2014       Projekte 2013       Projekte 2012       Projekte 2011       Projekte 2010       Projekte 2008       Projekte 2006/2007   


Geschichte und Gedächtnis

Leitung: Thomas Schaarschmidt



Seit Beginn der Neunzigerjahre hat sich das Gedächtnis als ein eigener geschichtswissenschaftlicher Forschungsgegenstand etabliert. Damit reagierte die Forschung zum einen auf den „Memory Boom“ (Winter 2001), der seit den Achtzigerjahren europaweit das Deutungsmonopol der Historiographie zunehmend von außen in Frage stellte, zum anderen auf eine wachsende konstruktivistische Infragestellung ihres positivistisch geprägten Selbstverständnisses von innen. Der neue Arbeitsbereich „Geschichte und Gedächtnis“ schließt an die Vorarbeiten des ZZF zur Geschichtskultur und Historiographiegeschichte in den vergangenen Jahren an und konzentriert sich in zwei Perspektiven auf wichtige Aspekte der Gedächtnisforschung.
Ausgehend von der Beobachtung, dass die Erinnerung an die traumatischen Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts eine der wichtigsten Triebfedern für die Konjunktur des Gedächtnisses seit den Achtzigerjahren darstellt, richtet sich die erste Blickachse (Gedächtnis und Gedenken – „Vergangenheitsaufarbeitung“ zwischen Politik, Wissenschaft und öffentlicher Debatte) auf den Umgang mit konkurrierenden Erinnerungen, ihre Narrative und Repräsentationen, ihre Konflikte und ihre Relevanz für die Konstruktion kollektiver Identifikationsangebote. Die zweite Blickachse (Gedächtnis und Fortschritt – Geschichtskultur zwischen erster und zweiter Moderne) untersucht intermedial die Wandlungsprozesse im Verhältnis von Geschichte, Utopie, Fortschritt und Erinnerung, die sich seit den Siebzigerjahren zwar auch im Westen beobachten lassen, die sich für die Erosion der staatssozialistischen „Erwartungsgesellschaften“ aber als besonders relevant erwiesen haben.
Im Mittelpunkt stehen politische Erinnerungskonflikte in den beiden Teilen Deutschlands, in Polen und in der Ukraine sowie jene Gesellschaftsentwicklungen, die die Wahrnehmungsqualität, Faszinationskraft und Erinnerungswürdigkeit der Vergangenheit in Deutschland und der Sowjetunion im 20. Jahrhundert grundsätzlich verändert haben. Mit der Analyse der raumzeitlich-ästhetischen Dimensionen des Gedächtnisses und dessen wachsenden gesellschaftlichen Stellenwertes im Zeitalter der Beschleunigung und „Raumschrumpfung“ sowie der komparativen Untersuchung von Erinnerungen an die Diktaturerfahrungen greift der Arbeitsbereich zentrale Fragen der historischen Gedächtnisforschung auf und leistet auf der Grundlage empirischer Fallstudien sowohl einen Beitrag zur Theoriediskussion über das Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis als auch zu aktuellen Debatten um die ungebrochene Konjunktur der Erinnerungsforschung.



Thomas Schaarschmidt
Vom Kampfbegriff zum Formelkompromiss?
Der antitotalitäre Grundkonsens in der Berliner Republik
... mehr

Andrea Genest
Konkurrierende Erinnerung im Vergleich
Der Umgang mit Kommunismus und Nationalsozialismus in Berlin, Warschau und L’viv
... mehr

Igor Polianski
Atheistische Erinnerung und kommunistischer Untergang
Spätsowjetische Inszenierungen von Fortschritt und Geschichte in atheistischen Lektüren, Museen, Topographien und Riten zwischen Utopieverlust und erinnerungskultureller „Wiederverzauberung“ (1957-1991)
... mehr


Assoziiertes Projekt

Lars Karl
Imperiale Visionen: Nationen und Geschichtspolitik im Zarenreich und in der Sowjetunion (1880-1953)
... mehr


Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).