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68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte.
Historiker und Künstler aus Deutschland und Tschechien
zu den europäischen Aufbruchsjahren um 1968 und 1989
 
Ist der Osten 1989 nach Europa zurückgekehrt, wie das von Václav Havel mitbegründete Bürgerforum unmittelbar nach der „Samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei behauptete? Und bedeutet dies, dass sich damit die westliche Sicht auf die Geschichte Europas durchsetzte? Oder ist die Frage nach der Deutungshoheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wesentlich komplizierter? Denn es gab – zwar nicht unbedingt immer synchron, durchaus aber autonom – in Ost und West Entwicklungen, die die europäische Gegenwart maßgeblich bestimmen. Um diese zu erfassen sind differenzierende Analysen sowie ein Abgleich von Lebensentwürfen und kulturellen Konzepten, die es auf den beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gab, gefordert.
 
Das Projekt 68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte. soll zu einer solch erweiterten Sicht beitragen, indem es einen längerfristigen Arbeitsprozess zwischen Historikern, Theatermachern und Künstlern aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei in Gang setzt.
Ausgangspunkt der gemeinsamen Auseinandersetzung ist der als „Prager Frühling“ bekannte Reformprozess in der damaligen Tschechoslowakei 1968. Dieser soll im Rahmen des Projekts in zweifacher Hinsicht erweitert und kontextualisiert werden. Er wird erstens eingereiht in die europäische und globale Geschichte der sozialen Protest- und kulturellen Aufbruchsbewegungen der späten 1960er Jahre. Dabei stehen Ähnlichkeiten und Interdependenzen zwischen den Bewegungen, kulturelle Transfers sowie ideologische oder persönliche Missverständnisse zwischen den „1968ern“ in Ost und West im Vordergrund. Zweitens nimmt das Projekt auch die kulturelle Entwicklung nach dem Ende der Reformen in der Tschechoslowakei, das Schicksal der Ost-West-Kontakte während der „Normalisierung“ sowie die Rolle der „1968er“ beim endgültigen Zerfall des Kommunismus in Europa 1989 in den Blick. Letztlich geht es auch um die Frage, wie heute dieser beiden Großereignisse gedacht wird, welche Mythen und Symbole diese Erinnerungen prägen und inwiefern der Niedergang des Kommunismus ein neues Licht auf „1968“ wirft.
 
Die von Historikern, Theatermachern und Künstlern gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse werden der Öffentlichkeit durch verschiedene Veranstaltungen präsentiert. Vier Themenabende und vier Publikationen im Laufe des Jahres 2008 schaffen eine Verbindung zwischen den Orten Berlin, Prag, Brünn und Hamburg. Drei Theaterproduktionen befassen sich mit der Sprache der politischen Revolte in Ost und West und werden im Anschluss an ihre Uraufführung als Gastspiele unter den beteiligten Theaterhäusern ausgetauscht. Schließlich erörtert eine internationale, wissenschaftlich ausgerichtete Konferenz in Prag die kulturellen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des Prager Frühlings.
 
Ein Projekt von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, Divadlo Archa (Archa Theater, Prag); Kampnagel, Hamburg; Scéna Centra experimentálního divadla v Brně/Divadlo Husa na provázku (Zentrum für experimentelles Theater/Theater Die Gans an der Schnur, Brno); Sophiensaele, Berlin; Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.
In Zusammenarbeit mit: Akademie der Künste, Berlin; Deutsch-Tschechisches Gesprächsforum; Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; tranzitdisplay, Prag; Ústav pro soudobé dějiny AV ČR (Institut für Zeitgeschichte der Akademie der Wissenschaften, Prag) u.a.
 
Weitere Informationen unter www.68-89.net.
 

 

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