LanguageSwitcher
   Projekte 2015       Projekte 2014       Projekte 2013       Projekte 2012       Projekte 2011       Projekte 2010       Projekte 2008       Projekte 2006/2007   

Die Todesopfer an der Berliner Mauer, 1961-1989
Kooperationsprojekt des ZZF und der Gedenkstätte Berliner Mauer


Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Förderzeitraum: 2005-2008

Projektleitung: Dr. Hans-Hermann Hertle/Dr. Maria Nooke
Bearbeiter: Dr. Udo Baron; Christine Brecht, M.A.


Die Einmauerung der Bevölkerung, der Schießbefehl und das Sterben an der Grenze gehören zu den Merkmalen der SED-Diktatur, die von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Die Mauer stand weltweit als Symbol für die Unmenschlichkeit eines Systems, dessen Menschenverachtung in Todesschüssen auf Flüchtlinge seinen Ausdruck fand und das ohne diese Form des Grenzregimes nicht hätte bestehen können.

Geschichte, Struktur und Funktionsweise des DDR-Grenzregimes, das bis 1989 die Existenz der DDR sicherte, sind mittlerweile gut erforscht. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Gewalttaten an Mauer und Grenze ist seit November 2004 nahezu abgeschlossen. Dennoch existieren im Jahr 2005 - 44 Jahre nach dem Mauerbau und 15 Jahre nach der Öffnung der DDR-Archive - keine gesicherten Angaben über die Zahl der Todesopfer. Je nach Erfassungsgrundlage bewegen sich die Zahlenangaben zwischen 86 (Staatsanwaltschaft Berlin), mindestens 92 (Der Polizeipräsident von Berlin), 114 (Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter), 122 (Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität) und 201 (Arbeitsgemeinschaft 13. August; Stand: 2004).

Zu DDR-Zeiten versuchten SED-Führung, Grenztruppen und MfS, Todesfälle an Mauer und Grenze wann immer möglich zu verheimlichen und zu verschleiern, in vielen Fällen selbst gegenüber den Familienangehörigen. In West-Berlin und in der Bundesrepublik hingegen war die Erfassung von Gewaltakten an Mauer und Grenze nur eingeschränkt möglich; wenn Schüsse an der Grenze fielen und beobachtet wurde, daß Flüchtlinge abtransportiert wurden, war zumeist nicht klar, wer diese Menschen waren und ob sie wirklich getötet worden waren. Die strafrechtliche Aufarbeitung nach 1990 galt ausschließlich den Fällen, in denen Flüchtlinge durch direkte Gewaltanwendung ums Leben gekommen waren; in den „Mauerschützen-Prozessen“ der zurückliegenden Jahre standen entsprechend die Täter im Mittelpunkt. So blieben der breiten Öffentlichkeit die Namen vieler Todesopfer, ihre Biographien, die Umstände, unter denen sie ums Leben kamen, und die Art und Weise, wie mit den Toten und ihren Angehörigen umgegangen wurde, bis heute weitgehend unbekannt.

Ziel des Projektes ist es, dieses Defizit zu beheben und die genaue Anzahl der Todesopfer an der Mauer zu ermitteln, die Lebensgeschichten und Todesumstände aller Mauertoten in Text und Bild in Form biografischer Portraits zu dokumentieren, in den zeitgeschichtlichen Kontext einzubetten und in der Topographie der geteilten Stadt zu verorten. Wie viele Menschen kamen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer ums Leben? Wer waren diese Menschen? Wie kamen sie zu Tode? Wie wurde mit den Familienangehörigen und dem Freundeskreis der Toten umgegangen? Welche öffentlichen und politischen Reaktionen lösten die Todesfälle in Ost und West aus?

Das Projekt, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird, macht es sich zur Aufgabe, diesen Fragen auf breiter Quellengrundlage nachzugehen. Erstmals können dabei neben den Unterlagen in den einschlägigen Archiven alle Verfahrensakten umfassend ausgewertet werden, die die Staatsanwaltschaft im Zuge der strafrechtlichen Verfolgung von Gewalttaten an der Berliner Mauer in den zurückliegenden Jahren angelegt hat; auch die BStU-Akten werden im Rahmen dieses Projektes zum ersten Mal systematisch zu allen Todes- und Verdachtsfällen ausgewertet.

In einem gedruckten biographischen Handbuch soll die Darstellung der Einzelschicksale einer ergänzenden analytischen und kontextualisierenden Betrachtung unterzogen werden und in einem multimedialen Ausstellungs-Terminal sollen die Ergebnisse des Projektes zugleich - elektronisch aufbereitet - in der Gedenkstätte Berliner Mauer und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte präsentiert werden. 

Artikel im Deutschland Archiv 39 (2006) H 4
Hans-Hermann Hertle und Gerhard Sälter
"Die Todesopfer an Mauer und Grenze" (PDF)


Projektergebnisse

Das Projekt fand am 11. August 2009 mit der offiziellen Vorstellung des Ausstellungs-Terminal und des biographischen Handbuchs "Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989" seinen Abschluss. In der Publikation sind die Projektergebnisse und die Biographien der 136 Todesopfer veröffentlicht. 
Bilanz (Stand: 7. August 2009) (PDF)

Biographisches Handbuch "Die Todesopfer an der Berliner Mauer 19961-1989", erschienen im Chr. Links Verlag 
mehr ...

Die 136 biographischen Portraits der Todesopfer finden sich ebenfalls auf der Internetseite www.chronik-der-mauer.de (Chronik der Mauer ist ein gemeinsames Projekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V., der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschlandradios)

Bericht von der offiziellen Vorstellung der Projektergebnisse am 11. August 2009 in der Gedenkstätte Berliner Mauer
mehr ...

Medienberichte zur Vorstellung des biographischen Handbuchs und der Projektergebnisse (Pressespiegel/Website des ZZF)
mehr ...


Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).