LanguageSwitcher
   Projekte 2015       Projekte 2014       Projekte 2013       Projekte 2012       Projekte 2011       Projekte 2010       Projekte 2008       Projekte 2006/2007   

Abteilung IV:

Regime des Sozialen im 20. Jahrhundert.
Mobilisierung, Wohlfahrtsstaatlichkeit und Rationalisierung

Leitung: Thomas Schaarschmidt

Die Abteilung „Regime des Sozialen“ integriert die Forschungsbereiche „Provinz und Metropole in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts“ (Thomas Schaarschmidt), „Wohlfahrtstaatlichkeit im Wandel“ (Winfried Süß) und „Das fordistische Jahrhundert: Rationalisierungstrends und Modernitätsdiskurs in der industriellen Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts“ (Rüdiger Hachtmann). Mit Hilfe unterschiedlicher gesellschaftsgeschichtlicher Perspektiven und Leitbegriffe fragen die Teilprojekte – am Beispiel von Vergemeinschaftung und Konfliktaustragung, von Mobilisierung und Rationalisierung sowie von sozialer Ungleichheit und ihrer Bearbeitung durch Sozialpolititik – nach Strategien und Praktiken sozialer Regulierung in den verschiedenen politischen Systemen des 20. Jahrhunderts.
Der Leitbegriff „Mobilisierung“ ist nicht an bestimmte politische und gesellschaftliche Ordnungen gebunden. Was aber Mobilisierung in Diktaturen von pluralistischen Systemen unterscheidet, ist das Bestreben, gesellschaftliche Dynamik aus- oder gleichzuschalten, um die Beherrschten auf gemeinsame, ideologisch fundierte Ziele auszurichten. Die umfassende Mobilisierung ganzer Gesellschaften ist ein Kennzeichen moderner Diktaturen, so dass der Begriff „Mobilisierungsdiktatur“ sowohl in der Analyse kommunistischer Diktaturen als auch in der NS-Forschung zunehmend Anwendung findet.
Am Beispiel der Gesellschaftsgeschichte Berlins in der NS-Diktatur untersucht der Forschungsbereich Konzepte, Instrumente und Praktiken gesellschaftlicher Steuerung und Mobilisierung, den Zusammenhang von Mobilisierung und gesellschaftlichen Eigeninteressen sowie Prozesse der „Selbstmobilisierung“. Behandelt werden Fragen des stadtgesellschaftlichen Wandels (soziale Schichtung und Mobilität, Integration, Segregation, Exklusion, Netzwerke alter und neuer Eliten), der Stadt-Umland-Beziehungen (Abgrenzung und Austauschbeziehungen, Suburbanisierung, Migration) und der Interaktion von zentraler, regionaler und kommunaler Ebene auf dem Feld der sozialen Regulierung und Mobilisierung in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Die Forschungen beschränken sich nicht auf die NS-Diktatur, sondern fragen nach langfristigen Trends der gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklung, Strategien der sozialen Regulierung sowie den Ursachen der unkontrollierten gesellschaftlichen Mobilisierung in der Endphase der kommunistischen Diktaturen.
Der Forschungsbereich „Wohlfahrtsstaatlichkeit“ thematisiert soziale Ungleichheit als Schlüsselkategorie zeithistorischer Gesellschaftsanalyse und verknüpft sozialgeschichtliche Fragen analytisch eng mit der Geschichte moderner Sozialstaatlichkeit. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der präventiven und kompensierenden Regulierung marktverursachter und lebenslagenbedingter Ungleichheitsverhältnisse durch Sozialpolitik. Damit wird eine wohlfahrtsstaatliche Grundfunktion in den Blick genommen, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts von markanten Veränderungen geprägt war. Im Sinne einer „seismic history“ (Maier) wird nach unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung, diskursiven Verarbeitung und politischen Bearbeitung sozialer und ökonomischer Brüche gefragt. Als Her-ausforderungen des Sozialstaats betrafen sie die westeuropäischen Staaten in ähnlicher Weise, sie wurden aber in unterschiedlichen politischen, ökonomischen und soziokulturellen Kontexten wirksam. Der Forschungsbereich wählt zur Kontrastierung solcher Differenzen eine europäisch-vergleichende Perspektive, die aktuell auf die wohlfahrtstaatlichen Grund-modelle Großbritanniens und der Bundesrepublik konzentriert ist, aber fallweise durch die Einbeziehung weiterer Vergleichsfälle sowie einer transatlantischen Perspektive erweitert wird.
Mit dem Themenfeld „Rationalisierung“ werden vielfältige ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte von Modernisierung in den Blick genommen, die das gesamte 20. Jahr-hundert charakterisiert haben und bereits von den Zeitgenossen oft mit dem Schlagwort „Fordismus“ gekennzeichnet worden sind, in den verschiedenen politischen Systemen jedoch sehr unterschiedliche Formen annehmen konnten. Der Forschungsbereich Rationalisierung analysiert fordistische und tayloristische Produktionsregime als arbeitswissenschaftliche und wirtschaftliche Innovationen, aber auch als Herrschaftstechniken im langfristigen Trend. Darüber hinaus thematisiert er darauf basierende, jedoch über den engeren ökonomischen Bereich hinaus gehende sozialpolitische und kulturelle Modernisierungskonzepte und -praxen – inkl. auch z.B. des häuslichen und familiären Bereichs – in epochen- und systemübergreifender Perspektive. Schließlich untersucht er die je zeitspezifischen Diskurse der Felder „Rationalisierung“ und „Fordismus“. Ziel ist es, auf diese Weise Charakter und Wandel des Fordismus als eine der markanten Signaturen der Geschichte des „kurzen 20. Jahrhunderts“ zu schärfen.

Mobilisierung

Assoziierte Projekte

Erwerbsarbeit und soziale Sicherung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts in Ost und West

Rationalisierung

Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).