„Unbewältigte Vergangenheit“?
Faschismus und Krieg in Literatur und Film um 1960.
Workshop des Instituts für Germanistik der Universität Potsdam zum Gedenken an Simone Barck in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam
23. bis 25. November 2007
Ort: im Alten Rathaus – Potsdam Forum, Am Alten Markt 9, und im Filmmuseum Potsdam, Marstall am Lustgarten, Breite Straße
Der Workshop soll die vergleichende Untersuchung von veröffentlichter Erinnerung an Faschismus und Krieg in beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften fortsetzen, die für das Jahr 1950 durch eine Potsdamer Tagung im November 2006 begonnen worden ist. Simone Barck, die am 17. Juli verstorben ist, hatte die Tagung organisiert und war bis zu ihrem plötzlichen Tod an der Vorbereitung des diesjährigen Workshops zu 1960 beteiligt. Schon in ihrem großen Buch „Antifa-Geschichte(n). Eine literarische Spurensuche in der DDR der 1950er und 1960er Jahre“ (2003) hatte sie programmatisch darauf hingewiesen, dass der „Antifa-Diskurs in der DDR auf osmotische und zugleich diffuse Weise mit demjenigen in der BRD verbunden war und blieb“.
Indem die um 1960 in beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften veröffentlichten Erinnerungstexte in einen europäischen Kontext gestellt werden, wird nach Ähnlichkeiten und Unterschieden gefragt. Rekonstruiert werden soll der Stand der öffentlichen, auf dem literarischen Markt zugänglichen Erinnerung an Faschismus und Krieg, ausgehend von den Fragen: Welche Erinnerungstexte dominierten in den Öffentlichkeiten, in welchem Verhältnis standen sie zur offiziellen Erinnerung der jeweiligen Staaten, zu öffentlich konkurrierenden Gruppenerinnerungen und zur privat-alltäglichen Erinnerung von Leserinnen und Lesern? Zwischen welchen Öffentlichkeiten gab es einen Austausch? Unter Einbeziehung Frankreichs, Norwegens und Polens wird gefragt, wie veröffentlichte Erinnerungen an Faschismus und Krieg zur Legitimierung von politischen Systemen beitrugen, wie sie sich mit konkurrierenden Erinnerungen auseinandersetzten und bestimmte Bevölkerungsgruppen adressierten. Es geht nicht nur um die quantitative Verteilung von Erinnerungen an Verfolgung und Widerstand, Krieg, Flucht und Gefangenschaft, sondern auch um deren Hierarchisierung, um Dominanzen und Marginalisierungen.
Der Titel des Workshops verweist darauf, dass um 1960 das Schlagwort ‚Vergangenheitsbewältigung’ eine veränderte Bedeutung erhalten konnte: Bewältigung wurde, z.B. für Heinrich Böll, zu einem „Schnitt, der uns von politischen Traditionen zu trennen hätte, die in dieser unbewältigten Vergangenheit wurzeln“.
Tagungsprogramm (PDF)
Das geteilte Deutschland im Europa des 20. Jahrhunderts
Stiftung Leucorea in Wittenberg
8.-10. November 2007
Eine Tagung des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Bundeszentrale für politische Bildung in Verbindung mit der Zeitschrift Deutschland Archiv
Anmeldung bis spätestens 15. Mai 2007 bei:
Prof. Dr. Martin Sabrow,
, ++49 (0)331 28991-57
Call for Papers (PDF)
Tagungsprogramm (PDF)
Europäische Wirtschaftseliten zwischen neuem Geist des Kapitalismus und Erosion des Staatssozialismus
European Business Elites Between a New Spirit of Capitalism and the Erosion of State Socialism
Potsdam, 1./2. November 2007
Tagung des Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte der Universität Salzburg
Conference of the Centre for the Study of Contemporary History, Potsdam in Cooperation with the Chair for European Contemporary History, University of Salzburg
Gefördert von / funded by Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG
Tagungsprogramm (PDF)
Im Zeichen des Sputnik
Internationale Konferenz zum 50. Jahrestag des ersten künstlichen Erdtrabanten
Berlin, 28.- 30. September 2007
Eine gemeinsame Konferenz des Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Osteuropa-Institut und Peter Szondi-Institut der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit dem Zeiss Großplanteratium Berlin und Deutsch-Russischen Museum Karlshorst
Als am 4. Oktober 1957 der erste künstliche Trabant der Erde in seine Umlaufbahn gestartet war, löste er im Westen den "Sputnik-Schock" aus, während er für die Sowjetunion eine neue "kosmische Ära" der Menschheit einleitete. Doch der Sputnikflug markierte darüber hinaus tiefgreifende längerfristige Veränderungen, die auf der interdisziplinären Konferenz kultur- und wissenschaftsgeschichtlich untersucht werden. Das Themenspektrum reicht vom "Kosmos" als populärwissenschaftlichen Projektionsraum über die ästhetischen Aneignungen und medialen Auswirkungen der Raumfahrt sowie die politischen Instrumentalisierungen im Kalten Krieg bis zum Sputnik als Gedächtnisort in der postmodernen Geschichtskultur.

Weitere Informationen unter: http://www.zzf-pdm.de/Portals/_Rainbow/images/sputnik/index.htm
„Der heimliche Leser in der DDR“
Wissenschaftliche Konferenz über die Verbreitung und Kontrolle illegaler Literatur in der DDR
Leipzig, 26.-28. September 2007
Der neugierige Bewohner des „Leselandes“ DDR las am liebsten, woran besonders schwer heranzukommen war. Von der Zensur und vom Zoll ausgegrenzte, mehr oder minder verbotene Bücher und Zeitschriften, die zumeist, aber keineswegs immer aus dem Westen kamen, wurden über die Grenze geschmuggelt, den Hütern der Giftschränke in den Bibliotheken abgeluchst und auf der Messe gestohlen. Man las „zwischen den Zeilen“, organisierte illegale Lesezirkel oder schrieb sogar ganze Bücher ab.
Eine Welt ohne Kopiergeräte, in der sogar die Schreibmaschinen von der Stasi überwacht wurden: Für die nachgeborenen Bewohner unserer Informationsgesellschaft ist es kaum noch vorstellbar, welche Energien freigesetzt und originelle Tricks ersonnen wurden, um die unsichtbare Mauer zu überwinden, die die staatliche Literaturpolitik errichtet hatte.
Die gemeinsam vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Buchwissenschaft der Leipziger Universität organisierte und von der Stiftung Aufarbeitung geförderte Konferenz stellt die „heimlichen Leser“ in der DDR in ihren Mittelpunkt. Wissenschaftler und Zeitzeugen verschiedener Generationen aus Ost und West, Büchermacher und Bücherschmuggler, Bibliothekare, Theologen und Untergrundpublizisten, der ehemalige Postkontrolleur und sein westdeutscher Antagonist vom RIAS, die Repräsentanten höchst unterschiedlicher Milieus kommen zusammen, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen auszutauschen.
Dabei geht es um die illegale „Verbringung“ und Lektüre höchst unterschiedlicher Bücher und Textarten: um Rudolf Bahros „Die Alternative“, um „Bravo“, „Kicker“ und Karl May, um George Orwells „1984“ genauso wie um den „Wachtturm“ der Zeugen Jehovas, um westliche Propagandaschriften, die von Heißluftballons abgeworfen wurden, und um erotische und Science FictionLiteratur.
Die Konferenz steht im Kontext eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojektes des ZZF, das den Umgang der heimlichen Leser mit dem Zensursystem der DDR und der Wirksamkeit der Zensur untersucht. Sie ist der kürzlich verstorbenen Literaturwissenschaftlerin Dr. sc. Simone Barck (ZZF Potsdam) gewidmet, die die Tagung zusammen mit Prof. Dr. Siegfried Lokatis (Universität Leipzig) vorbereitet hat.
Ort: Haus des Buches, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Siegfried Lokatis
E-Mail:
Tel.: +49 341 973 5721
Tagungsprogramm (PDF)
„Strafjustiz im Nationalsozialismus“
Internationaler Workshop
Potsdam, 6.-7. September 2007

Ort: Gedenkstätte „Lindenstraße 54/55“ in Potsdam
Gemeinsame Tagung des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, der Koordinationsstelle des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg und des Potsdam-Museums
Gefördert durch die Europäische Union (EU)
Die Tagung thematisiert verschiedene Aspekte der Strafjustiz im Nationalsozialismus. Mit dem international ausgerichteten Workshop möchten die Veranstalter die regionalen Forschungsergebnisse zum Potsdamer Haft- und Gerichtsort in der Lindenstraße 54/55 in einen größeren Kontext einordnen und Perspektiven für die künftige Forschung sowie die weitere Gestaltung der Gedenkstätte entwickeln.
Gefördert wird der Workshop durch die Europäische Union, die Anfang dieses Jahres Mittel für ein Projekt bewilligt hat, das die Erforschung und Dokumentation des historischen Ortes „Lindenstraße 54/55“ in der NS-Zeit als Sitz eines Erbgesundheitsgerichts, Gerichtsorts und Gefängnis für die Gegner des Nationalsozialismus beinhaltet. Der Workshop richtet sich an Wissenschaftler, Vertreter von Gedenkstätten und zeithistorischen Museen und historisch Interessierte. Die Konferenzsprache ist Deutsch.
Teilnahme: Wir bitten um schriftliche Anmeldung zum Workshop bis zum 3. September 2007 unter Angabe Ihres Vor- und Zunamen, Postanschrift, E-Mail-Adresse, Beruf/Institution
bei Frau Marion Schlöttke: E-Mail:
, Fax: +49 331 2899140
Tagungsprogramm (PDF)
Das Ende der Zuversicht?
Die Strukturkrise der 70er Jahre als zeithistorische Zäsur
Berlin und Potsdam, 14.-16. Juni 2007
Eine gemeinsame Konferenz des Wissenschaftszentrums Berlin und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam
Anmeldung unter: Fax: 0331/ 28991-40 oder
1) Mehr und mehr neigen Historiker dazu, das Datum des Ölpreisschocks von 1973/74 als Zäsur für die Entwicklung der hochindustriellen Länder zu betrachten. Zu diesem Zeitpunkt setzte eine Strukturveränderung ein, die eine neue Problematik ankündigte und den Kalten Krieg überlagerte – die dritte Industrielle Revolution, an der der Ostblock zerbrach, die aber der Westen mit durchwachsenem Erfolg gemeistert hat. Daher begann die „neueste Zeitgeschichte“ nicht erst mit dem Kollaps des Kommunismus, sondern schon anderthalb Jahrzehnte vorher mit dem sozio-ökonomischen sowie populärkulturellen Strukturwandel.
2) Ein zentrales Problem der Annäherung an diese Frage ist allerdings die Unsicherheit der wissenschaftlichen Bezeichnung. So konkurrieren Etikette wie etwa Daniel Bells „postindustrielles Zeitalter“, Jean-Francois Lyotards „Postmoderne“ und Ronald Ingleharts „Wertewandel“ miteinander, von späteren Begriffsbildungen wie Ulrich Becks „Risikogesellschaft“ ganz zu schweigen. Diese Vielfalt der Begriffsbildungen deutet auf den widersprüchlichen Charakter einer Übergangsepoche hin, der zwischen einem verbreiteten Krisengefühl und neuen Aufbrüchen schwankte.
3) Um die weit verbreitete Wahrnehmung einer Strukturkrise auszuloten, ist ein mehrdimensionaler Vermessungsversuch notwendig. Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:
Erstens: Welche wirtschaftlichen Veränderungen fanden in den siebziger Jahren statt? (regionale Entindustrialisierung, Entstehung neuer IT-Industrien etc.)
Zweitens: Was waren die sozialen Konsequenzen dieser Entwicklungen, die letztlich zur Überdehnung des Sozialstaats führten? (Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft, Einsetzen von Sockelarbeitslosigkeit etc.)
Drittens: Welche Aufbrüche fanden im Alltagsleben statt, die zu einer Pluralisierung der Lebensentwürfe führten? (neue soziale Bewegungen, Medialisierung, Migration etc.)
Viertens: Wie versuchten Politiker diese nicht mehr planbaren Entwicklungen zu steuern, die ein sozialliberale Krisenmanagement, eine konservative Wende und Renaissance des Neoliberalismus in der Bundesrepublik sowie eine realsozialistische Problemverweigerung in der DDR hervorriefen?
4) Schließlich sind auch die langfristigen Auswirkungen der Strukturkrise bis in die Gegenwart zu diskutieren. In Bezug auf den Realsozialismus geht es dabei um die strukturellen Ursachen seines Niedergangs; bei der sozialen Marktwirtschaft um die sukzessiven Stabilisierungsversuche durch kleine Systemkorrekturen, die zwar bis 1990 noch Erfolg hatten, sich aber dann in der Doppelung von Vereinigungs- und Globalisierungskrise als unzureichend erwiesen. Dabei ist es wichtig, die deutschen Reformblockaden durch kontrastierende Beispiele anderer europäischer Länder zu hinterfragen, um potentielle Lösungswege durch erfolgreichere Antworten aufzuzeigen. Welche Veränderungen sind für die Wettbewerbsfähigkeit in der Globalisierung notwendig und welchen Aufrufen zum Sozialabbau ist zu widerstehen?
Tagungsprogramm (PDF)
Europa in kommunistischen Zeiten: Zeitzeugen – Mythos - Erinnerung
Internationale wissenschaftliche Konferenz
Potsdam, 31. Mai - 2. Juni 2007
Ort: Haus der Brandenburgisch Preußischen Geschichte Potsdam
Am Neuen Markt 9, Konferenzsaal
Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Auseinandersetzung mit den Europavorstellungen auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs zwischen 1945 und 1991. Aus einer heutigen Perspektive sollen insbesondere Wahrnehmungen Europas von damaligen politischen und publizistischen Akteuren und Wissenschaftlern kritisch reflektiert und wissenschaftlich analysiert werden.
Die Konferenz steht im Kontext des von der Volkswagen-Stiftung geförderten ZZF-Forschungsprojektes „Europa im Ostblock - Vorstellungswelten und Kommunikationsräume im Wandel“, das einem kulturhistorischen Ansatz folgt.
Konferenzsprachen:
Deutsch, Polnisch, Tschechisch (Simultanübersetzung)
Teilnahme:
Um schriftliche Anmeldung bis zum 25. Mai 2007 wird gebeten.
E-Mail:
; Fax: +49 331 289 91 40
Tagungsprogramm (PDF)
Tagungsflyer (PDF)
European Cold War Cultures?
Societies, Media, and Cold War Experiences in East and West (1947-1990)
International Conference
Potsdam, 26.-28. April 2007
Tagungsprogramm (PDF)
Tagungsbericht (PDF)
Wirtschaftliche Integrationsprozesse in West- und Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg
Economics and Integration in Western and Eastern Europe after the Second World War
Eine Arbeitstagung des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam
in Kooperation mit dem Centre for Business History in Scotland der University of Glasgow und dem Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main
29.-31. März 2007 in Potsdam
Konferenzsprachen: Deutsch und Englisch
Tagungsprogramm (PDF)
Das deutsche Halbtagsmodell in Grund- und Vorschulen - ein europäischer Sonderweg? Internationale interdisziplinäre Tagung
1.-3- März 2007
Universität Köln (Hauptgebäude, Albertus-Magnus-Platz)
Ganztägige Betreuung und Bildung in Grund- und Vorschulen sind in fast allen europäischen Wohlfahrtsstaaten der Normalfall - in der Bundesrepublik Deutschland dagegen nicht.
Wie und warum sich der bundesdeutsche Weg zum Habtagsmodell in der öffentlichen Bildung von der Entwicklung anderer europäischer Länder unterscheidet, ist Gegenstand einer internationalen und interdisziplinären Tagung zur Zeitpolitik von Kindergärten und Schulen im europäischen Vergleich.
Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Dänemark und Schweden ist in der Bundesrepublik das ganztägige Angebot für Vor- und Grundschulkinder außerordentlich gering. Lediglich fünf Prozent aller Grundschulkinder besuchen derzeit eine Ganztagsschule und nicht mehr als 14 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen werden im Bundesdurchschnitt nach dem Unterricht in einem Hort betreut. Überdurchschnittlich oft sind es die Kinder von Alleinerziehenden. Verheiratete Eltern haben vor allem im Westen nur selten einen Anspruch auf einen Hortplatz.
Damit stellt sich das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundesrepublik in besonderem Maße. Vor allem Frauen, die im Alltag nach wie vor überwiegend für die Betreuung und Erziehung von Kindern zuständig sind, haben erhebliche Probleme, ihre berufliche Karriere mit den Familienpflichten zu vereinbaren. Eine Konsequenz ist der dramatische Rückgang der Geburtenzahlen, der in der Bundesrepublik stärker ausgeprägt ist als in den meisten anderen Ländern Europas, vor allem bei Frauen mit einer akademischen Ausbildung. Nur Italien und Österreich, die ebenfalls an der Tradition des Halbtagssystems festgehalten haben, weisen vergleichbare niedrige Zahlen auf.
Da diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen für die Zukunft des Sozialstaates hat, wird das bundesdeutsche Halbtagssystem in den sozialpolitischen Debatten zunehmend in Frage gestellt. Doch auch in den bildungspolitischen Diskussionen wird es immer häufiger kritisiert. Da deutsche Schulkinder in den internationalen Vergleichsstudien des Program for International Student Assessment (PISA) im Durchschnitt deutlich schlechter abschnitten als Kinder vergleichbarer Industriestaaten, vor allem die schulische Leistungsfähigkeit von Kindern aus benachteiligten sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund erhebliche Defizite aufwies, wird als eine strukturelle Lösung neben einer obligatorischen Vorschulerziehung die Einführung des ganztägigen Schulsystems diskutiert. Mittlerweile sprechen sich alle Parteien für einen Ausbau des Ganztagsangebots aus. Einer flächendeckenden Realisierung steht aber bislang nicht nur finanzielle Argumente, sondern auch die ausgeprägte Tradition der (west)deutschen Halbtagsschule selbst entgegen. Aktuelle Reformansätze treffen hierzulande auf erhebliche kulturelle und politische Blockaden, die eine lange Geschichte haben.
Die Tagung fand im Rahmen eines internationalen und interdisziplinären Forschungsprojektes zum Thema "Das deutsche Halbtagsmodell: Ein Sonderweg in Europa? Eine Analyse der Zeitpolitiken öffentlicher Bildung im Ost-West-Vergleich (1945-2000)" statt, das von Prof. Dr. Cristina Allemann-Ghionda (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität zu Köln, Co-Leitung), Prof. Dr. Karen Hagemann (Projektleitung, Technische Universität Berlin und University of North Carolina at Chapel Hill) und Prof. Dr. Konrad Jarausch (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) durchgeführt wird.
Im Zentrum des Projekts steht die Analyse von Zeitpolitiken öffentlicher Bildung im Vor- und Grundschulbereich seit Ende des Zweiten Weltkriegs im europäischen Ost-West-Vergleich. Gefragt wird nach den Ursachen für die weit reichenden Differenzen, aber auch grenz- und systemüberschreitenden Gemeinsamkeiten in den nationalen Diskursen und Politiken zur Zeitstruktur der öffentlichen Bildung im Vor- und Grundschulbereich und den Bedingungen, die Reformen hemmen oder fördern.
Die Tagung wurde durch die Volkswagen Stiftung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karen Hagemann
E-Mail:
Prof. Dr. Cristina Allemann-Ghionda
E-Mail:
Informationen zum Vorhaben bietet die Website: www.time-politics.com
Tagungsprogramm (PDF)
Workshop
"Property and Memory in the German-Polish-Triangle!
"Eigentum und Erinnerung im deutsch-polnisch-jüdischen Dreieck"
am 2. und 3. Februar 2007
im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (Conference Room)
14467 Potsdam, Am Neuen Markt 8
20 Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Israel, den USA und Frankreich, unter ihnen die Professoren Dariusz Stola (Warschau), Moshe Zimmermann (Tel Aviv) und Norbert Frei (Jena), diskutieren Anfang kommenden Monats zwei Tage lang über das Verhältnis von Eigentum und Erinnerung im deutsch-polnisch-jüdischen Dreieck. Die aktuellen öffentlichen Konflikte zwischen Deutschland und Polen wie der Streit um ein Europäisches Zentrum gegen Vertreibungen oder der Versuch zur Durchsetzung von deutschen Eigentumsansprüchen gegenüber Polen bewogen den Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) Prof. Dr. Martin Sabrow gemeinsam mit Prof. Dr. Constantin Goschler von der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Dr. Philipp Ther von der Europa-Universität Viadrina diesen Workshop zu organisieren. Neben den Referenten werden rund 40 Wissenschaftler teilnehmen, die zu Aspekten des Tagungsthemas arbeiten und forschen.
Im Gegensatz zu bisherigen zeithistorischen Annäherungen an den deutsch-polnischen Konflikt berücksichtigen die drei Veranstalter in ihrem Workshop ausdrücklich die jüdische Dimension der Problemkonstellation und wollen die bislang vorherrschende bilaterale Perspektive zugunsten einer transnationalen Betrachtungsweise erweitern. Der Workshop soll beitragen, den deutsch-polnischen Konflikt als Teil einer komplexen „entangled history“ zu begreifen, in der die jüdische Dimension eine zentrale Rolle spielt. Die Veranstalter erhoffen sich davon nicht nur eine produktive historiographische Perspektive, sondern auch die Chance zur Versachlichung einer politischen Debatte, die die deutsch-polnischen Beziehungen derzeit stark belastet.
Die Veranstaltung wird finanziell gefördert durch die Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Konferenzsprache: Englisch
Tagungsprogramm (PDF)
Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen?
Zum Verhältnis von Medien und Politik im 20. Jahrhundert
Berlin, 18. bis 20. Januar 2007
Veranstalter:
Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
Studienkreis Rundfunk und Geschichte (StRuG)
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Tagungsprogramm (PDF)
Anmeldung (PDF)