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Demontagen in der SBZ

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Die Demontagen

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges demontierte die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone (SBZ) und Berlin rund 3470 Objekte, 5.114.000 Tonnen Material wurden abtransportiert. Der Abbau kompletter Industrieeinrichtungen, vor allem der Rüstungsindustrie, erfolgte gemäß den alliierten Erklärungen von Jalta und Potsdam 1945 zur Entmilitarisierung und diente in der SBZ als Reparationsleistung für die im Zweiten Weltkrieg durch das Deutsche Reich in den sowjetischen und polnischen Gebieten angerichteten Zerstörungen. Im Vergleich zu dem umfangreichen Abbau in der SBZ erfolgten Demontagen in den drei Westzonen in einem deutlich geringerem Ausmaß.

Der Abtransport von wertvollen - zumeist den modernsten - Industrieanlagen sowie wichtiger Teile der Infrastruktur, insbesondere von Gleis- und Kommunikationsanlagen, hatte einschneidende Folgen für die Wirtschaft der SBZ und die spätere Entwicklung der DDR. Die Demontagen wurden in mehreren Wellen vorgenommen, nicht selten sind unter großen Anstrengungen aufgebaute Betriebe einem neuerlichen Abbau zum Opfer gefallen. Auch die Haltung der Deutschen gegenüber der Besatzungsmacht wurde durch die oft als willkürlich und kontraproduktiv empfundenen Maßnahmen beeinflußt, und nicht ohne Grund wurde dieses Thema in den Nachkriegsjahren kontrovers diskutiert.

Gleichwohl sind wichtige Aspekte der sowjetischen Demontagepolitik und ihrer Folgen bislang nicht näher untersucht worden. Welche Bedeutung die Demontagen für den sozialen Wandel der ostdeutschen Gesellschaft besaßen, ist nur eine Frage, für die sich die Forschung in wachsendem Maße interessiert. Dazu gehören beispielsweise auch die teilweise brutalen Umstände, unter denen 1945/46 Hunderttausende für Abbaumaßnahmen eingesetzt wurden. Das Erschließungsprojekt des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam soll diese Forschung befeuern und die Handhabe bieten, entsprechende Quellen in den Archiven zügig aufzufinden. Außerdem wird auf diese Weise die Voraussetzung für die künftige Erschließung der sowjetischen Quellen geschaffen.

Aus einem Situationsbericht des Arbeitsamtes Döbeln, Mai 1946:

"Die im März in Angriff genommene Demontage der Papierfabriken von Kübler & Niethammer (...) wird wahrscheinlich niemals aus dem Gedächtnis der lebenden Generation entschwinden. Nicht nur der Ausbau der drei Werke selbst, sondern auch die Begleitumstände haben sich (...) in die Gedanken aller derer eingegraben, die dieses Drama mit erleben mußten. Die über 4000 Arbeitskräfte wurden unter dem Druck der bewaffneten Besatzungsmacht in einem Tempo zur Arbeit getrieben, wie es deutschen Begriffen bisher völlig fremd war. Das Antreibersystem überstieg alle bisher bekannten Ausmaße. Die drakonischen Strafmaßnahmen werden gekennzeichnet durch vielfach vorgekommene Verprügelungen und durch den strafweisen Abzug von 38000 Stunden Arbeitslohn. Dazu tritt die Weigerung des den Abbau leitenden Offiziers, den Arbeitern die Fahrtkosten nach und von dem Arbeitsort zu erstatten. Die Unterbringung der auswärtigen Arbeitskräfte mußte in Ermangelung anderer Gelegenheiten in dem ehemaligen Schloß Waldheim erfolgen, das jahrhundertelang als Zuchthaus gedient hat und seinen traurigen Ruhm erneut ins Gedächtnis der Beteiligten eingegraben hat."

(Arbeitsamt Döbeln, Situationsbericht Mai 1946. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, 11391, Landesregierung Sachsen, Ministerium für Arbeit und Sozialfürsorge, Nr. 759.).

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