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Dr. Paulina Gulińska-Jurgiel

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Europäische und globale Zusammenhänge der Vergangenheitsaufarbeitung in Polen (20./21. Jh.)


Das Forschungsvorhaben untersucht in einer Langzeitperspektive die polnische Vergangenheitsaufarbeitung im Hinblick auf ihre institutionelle und argumentative Einbindung in den europäischen wie globalen Aufarbeitungsprozess nach der Überwindung der Diktaturen.

Das Projekt setzt mit dem ausgehenden Zweiten Weltkrieg ein und erforscht die justizielle Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen über die Nachkriegsjahrzehnte hinweg. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die (west)deutsch-polnische Kooperation vor dem Hintergrund der ideologischen Auseinandersetzung nach 1945, die anhand der Zusammenarbeit der Hauptkommission zur Erforschung der Deutschen-/Hitlerverbrechen mit der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg untersucht wird.

Im zweiten Schritt werden die polnischen Aufarbeitungsdebatten und -maßnahmen nach 1989 vor dem Hintergrund einer globalen Diktaturüberwindung analysiert. Dies geschieht anhand einer eingehenden Analyse der Tätigkeitsfelder des US-amerikanischen Project Justice in Times of Transition, das sowohl die ostmitteleuropäischen Transformationen mit einer Reihe von Konferenzen vor Ort begleitete als auch deren Schlüsselfiguren – darunter sowohl Oppositionelle als auch Regimevertreter – für politische Transformationen in anderen Teilen der Welt als Experten und Vermittler miteinbezog.

Drittens hinterfragt das Projekt den Europäisierungstrend der Vergangenheitsaufarbeitung zu Beginn des 21. Jahrhunderts, indem es die Ziele und Funktionsweisen sowie die internationale Kooperationspraxis mehrerer sog. Aufarbeitungsnetzwerke (z.B. „Europäisches Netzwerk der für die Geheimpolizeiakten zuständigen Behörden“, „Plattform für das Gedächtnis und Gewissen Europas“) unter die Lupe nimmt.

Ziel des Projektes ist es, die polnische Vergangenheitsaufarbeitung aus einer zeitlich wie regional partikularen Perspektive zu befreien und sie stattdessen in ihren argumentativen wie organisatorischen Kontinuitäten zu betrachten. Des Weiteren soll ihre Beeinflussung durch den europäischen und globalen Aufarbeitungsdiskurs, aber auch ihr Beitrag zu deren Entwicklung analysiert werden.

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