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Dr. Renate Hürtgen

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MfS und „Ausreiser“ in den 1970er und 1980er Jahren. Eine mikrohistorische Vergleichsstudie im Kreis Halberstadt und in der Bezirksstadt Potsdam

Kooperationsprojekt mit der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), Abteilung Bildung und Forschung
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)


Das stete Begehren von DDR-Bürgern, das Land zu verlassen, charakterisiert die DDR als „geschlossene Gesellschaft“. Die „Landeskinder“ sahen sich diversen Grenzziehungen gegenüber, arrangierten sich mit ihnen, akzeptierten sie, lehnten sie ab oder suchten sie zu durchbrechen. Die „Antragstellung auf Ausreise aus der DDR“ war eine Art und Weise der Grenzüberschreitung, welche angesichts der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte durch die DDR-Regierung seit Mitte der siebziger Jahre von immer mehr Menschen einer riskanten Flucht vorgezogen wurde. Das Projekt richtet seine Aufmerksamkeit auf die Vorgänge im lokalen Raum, auf die alltäglichen Verästelungen von Repression, „Rückgewinnung“ und Isolation der Antragsteller in den siebziger und achtziger Jahren in Halberstadt und Potsdam. Es wird einerseits nach der Herrschaftspraxis des MfS, nach dem Umgang der lokalen Funktionäre mit den Antragstellern gefragt. Andererseits stehen der Typus des „Ausreisers“, seine Herkunft, Sozialisation, seine kulturellen Prägungen und Ausreisemotive und schließlich das gesellschaftliche Umfeld und deren Verhältnis zur antragstellenden Minderheit im Zentrum der Untersuchung.

Anhand des sozialen Umfelds der jeweiligen Antragsteller, in welchem die verschiedensten Verhaltensweisen aufeinandertrafen, lassen sich beispielhaft Fragen nach den Bindungskräften und den Instabilitäten des Lebens in der DDR thematisieren. Die Untersuchung zielt damit auf die Bedeutung von angepasstem und unangepasstem Leben für den Bestand der DDR ebenso wie auf die Ursachen für deren zunehmende Ineffektivität und Erosion, welche schließlich den Untergang beschleunigten.

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