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Dr. Annette Schuhmann

Vita | Projekt | Publikationen | Lehre

Die mediale Konstruktion von Zukunftsvisionen computerisierter Arbeit in Ost und West

Das geplante Projekt untersucht vergangene Zukunftsvisionen im Bereich der Erwerbsarbeit. Die Szenarien der 1970er- und 1980er-Jahre reichten hier von der „frohen Botschaft des Tertiären“ über die strategischen Perspektiven, die an die wissenschaftlich-technische Revolution geknüpft wurden, bis hin zum Problem der Arbeitsmigration und das daran gekoppelte Bild menschenleerer Landstriche inmitten Europas. Auf der Grundlage der breit angelegten technikhistorischen Studien zur Geschichte des Computers wird sich die Untersuchung auf die mediale Konstruktion von Zukunftsbildern und Zukunftsvisionen computerisierter Arbeit konzentrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erwartungen, die Abwägung von Chancen und Risiken sowie die Utopien, die die Zeitgenossen mit dem Thema der Computerisierung der Arbeit verbanden (etwa papierlose Büros und menschenleere vollautomatisierte Fabriken). Die öffentlichen Debatten, Publikationen, Filme und die Werbung vermitteln dabei ein ambivalentes Bild: zum einen ein optimistisches vom unaufhaltsamen technischen Fortschritt, zum anderen ein kulturpessimistisches von der Herrschaft der Apparate.
Zum Design der Untersuchung gehört die Analyse gesellschaftlicher Debatten, in denen es um den Stellenwert und die Bedeutung des Computers für die industrielle Entwicklung ging. Welche Hoffnungen, Wünsche oder Ängste wurden mit der Einführung der Computertechnologie in vielen Bereichen der Gesellschaft verbunden? Welche Probleme wurden wahrgenommen, und wie sollten sie gelöst werden? Welche Akteure beteiligten sich an der Debatte um diese neue Technologie? In welcher Weise wurde die Einführung der Mikroelektronik gefördert, behindert oder reguliert? Welche Rolle kam dabei dem Staat zu? Im Ergebnis soll eine Kulturgeschichte der Zukunftsvisionen computerisierter Arbeit von den 1960ern bis in 1990er-Jahre entstehen, die zeigt, inwieweit sich das Verständnis, die visuelle Darstellung und die von Hoffnungen und Ängsten begleiteten Erwartungen im Zuge der Computerisierung von Arbeit im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts veränderten. Neben den im engeren Sinne zeitgeschichtlichen Erkenntnissen kann das Projekt einen Beitrag leisten zur epochenübergreifenden Frage nach der Geschichte von Zukunftsvorstellungen und Utopien.

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