Kommunismusforschung als politische Bildung: Franz Borkenau, Arkadij Gurland, Richard Löwenthal und Ossip K. Flechtheim zwischen Weimarer Arbeiterbewegung, Exil und Bundesrepublik
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Im Mittelpunkt der disziplingeschichtlichen Studie mit dem Schwerpunkt einer Gruppenbiografie stehen vier Persönlichkeiten, die eine Reihe von Gemeinsamkeiten aufweisen: Franz Borkenau (1900–1957), Arkadij Gurland (1904–1979), Richard Löwenthal (1908–1991) und Ossip Kurt Flechtheim (1909–1998). Sie alle entstammten der politischen Linken der Weimarer Republik, mussten ab 1933 aus Deutschland flüchten und kehrten schließlich nach 1945 in die Bundesrepublik bzw. nach Westberlin zurück. Untersuchungsgegenstand ist der spezifische Anteil dieser remigrierten Wissenschaftler bei der Ausformung der Kommunismusforschung als akademischer Disziplin in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin. Dabei sind der Lebenslauf und die intellektuelle Prägung dieser Wissenschaftler für die Frühgeschichte der Bundesrepublik atypisch.
Das Projekt untersucht die Interdependenzen zwischen wissenschaftlichem Werk und biografischer Erfahrung. Ein zentrales Problem ist die Frage, inwieweit normative Wertbezüge im wissenschaftlichen Werk der genannten Persönlichkeiten auf biografischen Erfahrungen beruhten und wiederum durch wissenschaftliche Arbeit rationalisiert wurden.