LanguageSwitcher
   Staff       Mitarbeiter alphabetisch       ehemalige Mitarbeiter   
Dr. Viktor Knoll

Vita | Projekt | Publikationen

"Zwischen Anpassung und verhaltenem Protest: ostdeutsche Reaktionen auf die Demontagen im Kohlenbergbau und der Brennstoffindustrie der SBZ 1945-1947."

Die Demontage und Ausfuhr von Industrieanlagen bildete in den ersten Jahren der sowjetischen Besatzung Deutschlands einen zentralen Bestandteil der Wirtschaftspolitik der UdSSR in der SBZ. Erklärtes Ziel der Moskauer Führung war es dabei, durch die „ökonomische Abrüstung“ Deutschlands dauerhafte Garantien für die Sicherheit des eigenen Landes zu schaffen. Zugleich sollte das Industriepotential des geschlagenen Kriegsgegners für den Wiederaufbau der zerstörten sowjetischen Volkswirtschaft genutzt werden.
Die deutsche Bevölkerung stand den Demontage- und Beuteaktionen der Besatzer zunächst weitgehend teilnahmslos gegenüber. Angesichts der Radikalität und des Umfanges der Entnahmen, die alsbald alle Bereiche der Wirtschaft erfaßten, begann sich jedoch bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 Widerstand gegen die rigorose sowjetische Demontagepolitik zu formieren.
Wie aber äußerte sich der Protest der von den Abbaumaßnahmen betroffenen Betriebsbelegschaften und wie wurde er durch die sowjetische Besatzungsmacht wahrgenommen? Verfügten ostdeutsche Stellen über Möglichkeiten, Demontagen abzuwenden, zu verzögern oder abzuschwächen, wie nutzten sie eventuell vorhandene Handlungsfreiräume und welche Rolle spielten dabei die örtlichen Militärbehörden?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kooperationsprojekts von ZZF und Brandenburgischem Landeshauptarchiv. Ziel des Vorhabens ist es, am Beispiel der Demontagen im Kohlenbergbau und der Brennstoffindustrie der SBZ Chancen und Grenzen der Zusammenarbeit der deutschen Verwaltungen und Betriebe mit der sowjetischen Besatzungsmacht zu veranschaulichen. Anhand mikrohistorischer Fallstudien sollen darüber hinaus Gemeinsamkeiten und regionale Unterschiede bei der Umsetzung der Demontagepolitik herausgearbeitet werden. Damit kann die geplante Studie einen wichtigen Beitrag zur Erforschung von Besatzungsalltag und Besatzungspraxis in der SBZ leisten.
Die Quellengrundlage der Untersuchung bilden zum einen die einschlägigen Bestände des Bundesarchivs (Abteilung Berlin) sowie die in den Landes- bzw. Staatshauptarchiven von Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen überlieferten Akten. Zum anderen soll der heute zugängliche Teil der russischen Überlieferung ausgewertet werden, der vor allem im Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF) und dem Russischen Staatsarchiv für Wirtschaft (RGAE) Ablage gefunden hat.

Link zum Demontageinventar

 

"Between Conformance and Restrained Protest: East German Reactions to Dismantling in the Mining and Fuel Industries of the Soviet Zone of Occupation"

During the first years of Soviet occupation in Germany, dismantling and the shipment of industrial facilities were central elements of USSR’s economic policy in its zone of occupation in Germany. The publicly proclaimed intention of the government in Moscow was “to disarm” Germany, “economically” in order to achieve sustainable security for the own country. At the same time, the industrial potential of the defeated war enemy was to be used for the reconstruction of the Soviet economy.
In the beginning, the German population in the Soviet Zone were apathetic towards the dismantling and looting by the occupying forces. In light of the radicalness and the extent of the confiscations in all parts of the economy, resistance against the rigid Soviet dismantling policy, began to rise, already in the second half of 1945.
What kind of resistance by the personnel of affected enterprises occurred and how it was noticed by Soviet occupational forces? Did East German authorities have the possibility to prevent dismantling from happening or to delay or dilute it? How could they use possible scopes of action? What was the part of local Soviet military authorities in the process?
These questions are in the focus of a joint research project, conducted by the Leibniz Centre for Contemporary Historical Research and the Brandenburg Main State Archives and financed by Deutsche Forschungsgemeinschaft. Major goal of the project is to explore chances and restrictions of the cooperation between German authorities and enterprises, on the one-hand side, and the Soviet occupational power, on the other. Mining and fuel industries will be the industrial branches to be investigated regarding the process of dismantling. With the help of case studies, it will be another topic to find similarities and regional differences, respectively, in the conduct of the dismantling policy. With that, the study itself will provide for an important contribution in the analysis of the daily routine and the practices of occupation.
Major sources will be the related record groups at the Federal Archives in Berlin and the state archives of Brandenburg, Saxony and Saxony-Anhalt. Moreover, currently accessible files in Russia will be studied, especially those of the State Archives of the Russian Federation (GARF) and the Russian State Archives for Economics.


"Verfilmung, Digitalisierung, Indexierung und Herausgabe von SMAD-Dokumenten aus den Beständen des Russischen Staatsarchivs"

Im Rahmen des von der Volkswagenstiftung finanzierten Gemeinschaftsprojekts "Verfilmung, Digitalisierung, Indexierung und Herausgabe von SMAD-Dokumenten aus den Beständen des Russischen Staatsarchivs" (Kooperationspartner: Russisches Staatsarchiv/Moskau, Bundesarchiv/Berlin, Zentrum für Zeithistorische Forschung/Potsdam und University of North Carolina/Chapel Hill) ist beabsichtigt, eine zweibändige russischsprachige und eine einbändige deutschsprachige Dokumentation zum Thema "Die Wirtschaftspolitik der SMAD 1945-1949" herauszugeben. Das als Fondedition konzipierte Vorhaben verfolgt das Ziel, anhand ausgewählter Praxisfelder der sowjetischen Wirtschaftspolitik in der SBZ Organisation und Arbeitsweise der SMAD zu dokumentieren, wobei insbesondere folgende thematische Schwerpunkte Berücksichtigung finden sollen: Reparationen, Aufbau und Entwicklung der deutschen zivilen Industrie, Landwirtschaft (Bodenreform), Handel und Versorgung, Verkehrswesen, Außen- und Interzonenhandel, Finanzen (Währungsreform). Darüber hinaus soll die Einbindung der sowjetischen Besatzungsorgane in Deutschland in das Beziehungsgeflecht der wirtschaftspolitisch relevanten Strukturen der UdSSR (Staatliches Verteidigungskomitee, Ministerrat/Ministerien, Rote Armee) verdeutlicht und ihr Verhältnis zu den entsprechenden deutschen Stellen dargestellt werden.

Alle Rechte an Texten, Bildern und sonstigen Inhalten liegen beim ZZF (2011).