Film im Kalten Krieg - Kalter Krieg im Film:
Studien zum deutsch-französischen Vergleich
Das Projekt untersucht das Verhältnis von Film und Gesellschaft im Kalten Krieg. Es zielt damit auf Erkenntnisse über die historische Bedeutung des Films für gesellschaftlich relevante Repräsentationen des Kalten Kriegs während des Kalten Kriegs in seinen internationalen wie innergesellschaftlichen Bezügen für zwei resp. drei europäische Nachkriegsgesellschaften, Frankreich und Deutschland (bzw. BRD/DDR). „Film“ als Untersuchungsgegenstand steht hierbei für ein soziales Subsystem, das die Produktion, Distribution und gesellschaftliche Resonanz von für das breite Publikum bestimmte Kinofilmen umfaßt. Zum Untersuchungsgegenstand gehören also die durch Politik und Wirtschaft gegebenen Produktions- und Distributionsbedingungen, konkrete Filme in ihren inhaltlichen und formalen Dimensionen und die Öffentlichkeiten, die sich mit Filmen beschäftigten und zu ihnen verhielten.
Als Institution und Medium eignet sich „Film“ in besonderem Maße für einen transnationalen bzw. System-Vergleich, der Aufschlüsse über die konsensfähigen oder umstrittenen, fest verwurzelten oder sich neu durchsetzenden Vorstellungen von Gemeinschaften (imagined communities) und deren Grenzen bzw. Gegner erlaubt. Das Projekt geht dabei von der Überlegung aus, daß jene Gesellschaften, deren Staaten im Kalten Krieg zu Verbündeten einer der beiden Hegemonialmächte wurden, in je spezifischer Weise ihren Standort in dieser Auseinandersetzung definieren mußten, auch und gerade in Abgrenzung zu den Interessen und Vorgaben des jeweiligen Hegemons und bisweilen sogar im Gegensatz zur jeweiligen „Staatsräson“. Auf beiden Seiten des „eisernen Vorhangs“ wurden kollektive Identitäten formuliert und diskutiert, die negativ oder positiv „Bündnistreue“ und nationalen „Eigensinn“ miteinander verknüpften. Nationale (im deutschen Fall: konkurrierende) Filmkulturen und ihre Produkte werden hier als Angebote interpretiert, die unter anderem auf diese durch den Kalten Krieg bewirkte gesellschaftliche Nachfrage nach erzählten und bebilderten Kollektiv-Identitäten reagieren. Dabei stand in den beiden westlichen „Fällen“ Frankreich und BRD dafür ein wesentlich größerer Spielraum zur Verfügung als in der DDR, zugleich war der ökonomische Druck der amerikanischen Filmindustrie aber um so größer. Dennoch war aber auch diesen liberalen Verfassungsstaaten im Untersuchungszeitraum politisch begründete Zensur bzw. zensurähnliche Selbstkontrollen der Filmindustrie und politisch motivierte Behinderungen durch die staatliche Filmförderung keinesfalls fremd. Auf der anderen Seite konnte sich die DDR trotz aller diktatorisch durchgesetzter Abschottungsmaßnahmen nie dauerhaft der Sogwirkung des westlichen Einflusses entziehen und bemühte sich bis in die Mitte der sechziger Jahre darum, im innerdeutschen Konflikt die Position der nationalen Einheit gegen die „antinationalen“ Einflüsse amerikanischer Dekadenz reklamieren. Vor diesem Hintergrund sind dem Projekt folgende Fragestellungen zugrunde zu legen:
Wie repräsentierte der Film als (kultur)politische und ökonomische Institution die existenzielle Teilung Europas und der Welt?
Wie repräsentierten Filme die prekäre Identität und von Konflikten gefährdete Einheit zweier Nachkriegsgesellschaften, die eine „problematische“ Vergangenheit hinter sich lassen wollten und zugleich in ihrem Innern den Systemkonflikt nachzuvollziehen hatten?
Mit welchen (Feind-)Bildern und Erzählungen vermittelten Filme Vorstellungen von Gemeinschaft (imagined communities)?
Wie trugen Filme dazu bei, in den innergesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Orientierungsprozessen der untersuchten Gesellschaften deren je spezifischen Ort der im Kräftefeld des bipolaren Systemkonflikts zu diskutieren und neu zu bestimmen?
Die Beantwortung dieser Fragen soll einen Beitrag zum Verständnis des europäischen Films als Gegenstand, Medium und „Waffe“ im Kalten Krieg leisten.
(Eine ausführlichere Projektbeschreibung wird auf Nachfrage gerne zugesandt.)