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Dr. Stefan-Ludwig Hoffmann

Vita | Projekt | Publikationen


Politische Semantik der Menschenrechte im 20. Jahrhundert

Das Projekt untersucht den Bedeutungs- und Funktionswandel der politischen Semantik der Menschenrechte im 20. Jahrhundert. Die Hypothese lautet, dass die transnationale Karriere der Begrifflichkeit der Menschenrechte als eine Reaktion auf die globalen Krisen und Konflikte der vierziger und der siebziger Jahre angesehen werden kann. Wie alle Rechtsnormen sind auch die Menschenrechte historisch: formuliert in den Revolutionen des 18. Jahrhunderts, verschwanden sie im 19. Jahrhundert hinter anderen politisch-sozialen Leitbegriffen wie Nation, Rasse oder Klasse. Erst mit der Erfahrung von Genozid, totaler Herrschaft und globaler Zerstörungsgewalt kehrten die Menschenrechte Mitte der vierziger Jahre mit neuen Bedeutungsschichten in das politische Vokabular Europas und der Welt zurück.

Auf einer ersten Ebene wird der normativ-rechtliche Gebrauch der Semantik der Menschenrechte in der zwischenstaatlichen Politik und im sich nach 1945 herausbildenden humanitären Völkerrecht analysiert; auf einer zweiten Ebene der auf diese rechtlichen Normsetzungen einwirkende bzw. reagierende politisch-soziale Sprachgebrauch. Von besonderem Interesse für das Projekt ist die Frage, wie diese beiden Ebenen sich wechselseitig durchdrangen oder auch zeitlich auseinanderfielen. Welche politischen Effekte innerhalb einer Gesellschaft zeitigten zwischenstaatliche rechtliche Vereinbarungen und normative Absichtserklärungen? Und umgekehrt: Wie gehen politische Krisen innerhalb einer Gesellschaft wie etwa globale Konflikte und Gewalterfahrungen in das humanitäre Völkerrecht ein? Allgemein formuliert: Wie veränderten sich im diachronen Vergleich die Bedeutungsgehalte der Menschenrechte (soziale vs. politische, individuelle vs. kollektive Rechte usw.) durch Prozesse der Politisierung des Rechts und der Verrechtlichung von Politik im 20. Jahrhundert?


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