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Nikolai Wehrs

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Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) – Die „konservative Tendenzwende“ im Spiegel der bildungs- und hochschulpolitischen Debatten der siebziger Jahre

Dissertation, gefördert von der Gerda-Henkel-Stiftung

Im Rahmen der Forschungen zum gesellschaftlichen Wandel und seiner Wahrnehmung in Westdeutschland in den siebziger Jahren soll in der geplanten Arbeit die so genannte „Tendenzwende“ in den Blick genommen werden. Der Begriff „Tendenzwende“ beschreibt in der Zeitgeschichtsforschung allgemein den Umschlag von Reformeuphorie zu Reformskepsis rund um den „Ölpreisschock“ von 1973 und speziell eine zumindest partielle Rückgewinnung „diskursiver Meinungsführerschaft“ für konservative politische Kräfte, Themen und Auffassungen. Die Tauglichkeit des Begriffs soll durch eine Untersuchung der bildungs- und hochschulpolitischen Debatten der späten sechziger und der siebziger Jahre überprüft werden. An ihnen – so die Ausgangsannahme der Arbeit – lässt sich der Umschlag von parteiübergreifendem Reformoptimismus zu weit verbreiteter Reformskepsis und starker ideologischer Polarisierung der westdeutschen Innenpolitik besonders gut nachvollziehen.

Im Zentrum der Untersuchung stehen Universitätsprofessoren, welche sich bis in die späten sechziger Jahre für Hochschul- und Bildungsreformen engagierten, dann jedoch als Reaktion auf die „Studentenbewegung“ zu Skeptikern und teils dezidierten Gegnern sozialliberaler Bildungsreformen wurden. In Abgrenzung gegen eine vermeintliche „kulturelle Hegemonie“ der „Neuen Linken“ begannen sich in den siebziger Jahren viele dieser ursprünglich oftmals sozialdemokratischen Intellektuellen im Umfeld eines modernisierten, im Gegensatz zur „Ära Adenauer“ als „liberaler“ und „pluralistischer“ wahrgenommenen „bundesrepublikanischen“ Konservatismus zu verorten.

Diese Akteursgruppe soll in der geplanten Arbeit sowohl an Einzelbeispielen (Richard Löwenthal, Hermann Lübbe, Thomas Nipperdey, Alexander Schwan u.a.) als auch in ihrem Zusammenhang und anhand ihrer Netzwerkbildung untersucht werden. Für letztere rückt der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) in den Blickpunkt, welcher 1970 als – politisch zunächst durchaus heterogenes – „Defensivbündnis“ gegen das Vordringen „linksextremer“ Gruppen an den Universitäten gegründet wurde, sich in den siebziger Jahren aber zunehmend zu einer Lobbyorganisation für konservative Positionen in der Bildungspolitik entwickelte.

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