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Dr. Achim Saupe

Vita | Projekt | Lehrveranstaltungen | Publikationen

Wintersemester 2014/2015

Freie Universität Berlin - Übung: Authentizität als Beglaubigungsstrategie in Politik, Medien und Erinnerungskultur

„Sei authentisch!” – diese Anforderung an das moderne Selbst ist insbesondere in alternativen Milieus der 1970er- und 1980er-Jahre geprägt worden und findet heutzutage in einer zunehmend medialisierten und digitalen Welt neue Bedeutung. Der schillernde Authentizitätsbegriff, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem allseits verwandten Schlagwort und vielbeachteten Phänomen in den Kulturwissenschaften geworden ist, gewinnt sowohl in methodologischer Hinsicht als auch als Forschungsgegenstand zunehmend an Bedeutung für die zeithistorische Forschung. Historiker/innen begegnen dem Authentischen, wenn sie sich mit Fragen der Echtheit und Originalität der Überlieferung und damit der Evidenz und dem Wirklichkeitsbezug von Erinnerung und kulturellem Gedächtnis beschäftigen, etwa in der Beschäftigung mit Memoiren und Autobiografien, in der Auseinandersetzung mit „Zeitzeugen” oder in Oral History-Projekten. Zudem haben Authentizitätsvorstellungen Einfluss auf den Umgang mit der überlieferten materiellen Kultur, auf Ausstellungen und die Konzeption von Gedenkstätten. Die Übung wird einen Einblick in moderne Authentizitätskonzeptionen bieten und den Aufstieg des Authentizitäts-Topos anhand von ausgewählten Beispielen aus Politik, Medien und Erinnerungskultur verfolgen.

Einführende Lektüre:

Martin Sabrow, Die Sehnsucht nach dem Authentischen. Der Glaube an das Echte und die Gebeine Friedrich des Großen“, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 67 (2013), Heft 9, S. 767–77; Achim Saupe, Authentizität, in: Frank Bösch und Jürgen Danyel (Hrsg.), Zeitgeschichte. Konzepte und Methoden, Göttingen 2012. Zugleich erschienen auf Docupedia-Zeitgeschichte, 30.9.2012, URL: https://docupedia.de/zg/Authentizit.C3.A4t_Version_2.0_Achim_Saupe?oldid=84810; Wolfgang Seidenspinner, Kulturanthropologisch-erinnerungskundliche Annäherungen an ein zentrales Wissenschaftskonzept im Blick auf das Weltkulturerbe, in: kunsttexte.de, Nr. 4 (2007), http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/2007-4/seidenspinner-wolfgang-4/PDF/seidenspinner.pdf.

Sommersemester 2011:

Humboldt-Universität zu Berlin - Übung: Begriffsgeschichte, Historische Semantik und Diskursanalyse in der Zeitgeschichte. Ansätze und Beispiele

Der Umgang mit sprachlichen Überlieferungen gehört zum Kerngeschäft der Geschichtswissenschaften, die ihre Forschungsergebnisse selbst vor allem in sprachlicher Form, also in argumentierenden und narrativen Darstellungen präsentiert. Ohne Sprache keine Geschichte, keine Geschichtswissenschaft ohne Sprache. Das Seminar bietet zunächst anhand von Grundlagentexten eine Einführung in historische Subdisziplinen, die dieser großen Bedeutung der Sprache gerecht zu werden versuchen, indem sie Sprechakte, Begriffe, Bedeutungen oder Diskurse in den Mittelpunkt rücken: die Begriffsgeschichte und conceptual history, die Historische Semantik sowie diskursanalytische Methoden. Unser Ziel ist es dabei zu klären, welche konzeptionellen Vorüberlegungen zum Verhältnis von Sprache und historischer Wirklichkeit den einzelnen Ansätzen zugrunde liegen, wie weit ihre historischen Erklärungsmöglichkeiten reichen und welche wichtigen Unterschiede zwischen ihnen bestehen. In einem zweiten Teil des Seminars soll überprüft werden, ob und inwieweit politische und soziale Umbrüche mit einem semantischen Wandel einhergehen. Dabei werden zunächst Studien zur Sprache des Nationalsozialismus betrachtet, wie etwa Victor Klemperers „Lingua Tertii Imperii“, Beiträge des Bandes „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ und Klaus Theweleits Buch „Männerphantasien“. Daraufhin beschäftigt sich das Seminar mit der „Sprachkritik“ der Studentenbewegung von 1968 und der Neuen Linken der 1960er- und 70er Jahre. Schließlich soll auf die „Besetzung von Begriffen“ und damit die Sprachpolitik moderner Parteien eingegangen werden und in Absprache mit den TeilnehmerInnen des Seminars politische Schlagworte und einzelne Themenfelder untersucht werden, wie etwa der Wandel der Sprache in Jugend- und Subkulturen, Sprachen des DDR-Regimes, die Semantiken des Wohlfahrtsstaates oder aber der Wandel der Semantiken von Ordnung, Sicherheit und Freiheit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Literatur: Als schneller Einstieg bietet sich ein Blick auf www.docupedia.de zum Diskursbegriff sowie die Debatte über die Möglichkeiten einer Historischen Semantik des 20. Jahrhunderts in Heft 1/2010 der Zeithistorischen Forschungen/Studies in Contemporary History an, online einsehbar und mit ergänzenden Textmaterialien unter: http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208989/default.aspx. Zur Vertiefung: Dietrich Busse/Fritz Hermann/Wolfgang Teubert (Hg.), Begriffsgeschichte und Diskursgeschichte. Methodenfragen und Forschungsergebnisse der historischen Semantik, Opladen 1994. Achim Landwehr, Historische Diskursanalyse, 2. Aufl., Frankfurt/M. 2009; Ernst Müller (Hg.), Begriffsgeschichte im Umbruch?, Hamburg 2004.

Wintersemester 2009/2010:

Universität Potsdam - HS Geschichtsschreibung, Narrativität und Ideologie

„Auch Clio dichtet“, behauptete in den 1990er Jahren ein Sammelband, in dem Essays des Geschichtstheoretikers Hayden White versammelt waren. Das Seminar bietet eine Einführung in den narrative turn innerhalb der Geschichtswissenschaften und damit in das Verhältnis von Geschichtsschreibung und Narration. Im Zentrum steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang zwischen historiografischen Wahrheitspostulaten („Fakten und Fiktionen“) und zeitgenössischen weltanschaulichen, ideologischen und politischen Diskursen. Nach einem ersten, theoretischen Teil wird das Seminar in einem zweiten Teil ausgewählte historiographische Texte des 19. und 20. Jahrhunderts auf ihre narrativen Strategien und Rhetoriken sowie auf ihre weltanschaulich-politischen Gehalte hin untersuchen.

Literatur: Evans, Richard J.: Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis. Frankfurt am Main 1998. – Andreas Hirseland/Werner Schneider: Wahrheit, Ideologie und Diskurse. Zum Verhältnis von Diskursanalyse und Ideologiekritik, in: Reiner Keller u.a. (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Bd. 1: Theorien und Methoden. Opladen 2001, S. 373–403. – Georg G. Iggers: Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang. Göttingen 2007. –Hayden White: Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. Studien zur Topologie des historischen Diskurses. Einf. v. Reinhard Koselleck (= Sprache und Geschichte, Bd. 10). Stuttgart 1991.

Wintersemester 2008/2009:

Universität Potsdam - HS Sicherheitsdenken in der Moderne

„Sicherheit“ ist ein Schlüsselbegriff moderner Gesellschaften. Das Seminar beschäftigt sich mit Sicherheitskonzeptionen und -vorstellungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert und ihrer praktischen und institutionellen Umsetzung. Vor dem Hintergrund zeitgenössischer und aktueller gesellschaftstheoretischer Positionen soll das Sicherheitsdenken anhand historischer Diskurse über die moderne Großstadt, Kriminalität, Gefängnis- und Polizeiwesen, Wohlfahrt und Sozialfürsorge, Katastrophen- und Luftschutz analysiert werden. Folgende Fragen werden dabei leitend sein: Wie entstehen durch reale und imaginierte Bedrohungen neue Sicherheitskonzepte? Auf welchen gesellschaftstheoretischen Vorstellungen basiert das Sicherheitsdenken und inwieweit beeinflusst die Politik mit der Sicherheit das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft?

Literatur: Andrew Lees, Cities, Sin, and Social Reform in Imperial Germany (=Social History, Popular Culture and Politics in Germany) Ann Arbor 2002. Alf Lüdtke (Hrsg.), Sicherheit und Wohlfahrt. Polizei, Gesellschaft und Herrschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1993. Joachim Radkau, Das Zeitalter der Nervosität. Deutschland zwischen Bismarck und Hitler, Wien 1998. Clemens Zimmermann, Jürgen Reulecke (Hrsg.), Die Stadt als Moloch? Das Land als Kraftquell? Wahrnehmungen und Wirkungen der Großstädte um 1900, (=Stadt¬for¬schung aktuell. Bd. 76), Basel 1999.

Sommersemester 2008:

Universität Potsdam - PS Öffentliche Debatten und Forschungskontroversen über den Nationalsozialismus seit den späten 1970er Jahren

Geschichtswissenschaftliche Kontroversen finden nicht nur in akademischen Räumen statt. Insbesondere Fragen der zeithistorischen NS-Forschung werden nicht nur weit über die Fachwissenschaft hinaus beachtet, sondern reflektieren selbst wichtige Aspekte öffentlicher Diskussionen. Das Seminar will anhand von zentralen geschichtspolitischen Debatten und Forschungskontroversen über den Nationalsozialismus die Interdependenzen von Geschichtswissenschaft, Politik und Öffentlichkeit untersuchen. Dabei werden öffentliche Debatten jeweils vor dem Hintergrund der zeithistorischen Forschung gelesen: So soll beispielsweise die Filbinger-Affäre im Hinblick auf die wissenschaftliche Erforschung der NS-Justiz, der „Historikerstreit“ vor dem Hintergrund funktionalistischer und intentionalistischer Ansätze in der Geschichtswissenschaft und die Goldhagen-Browning-Debatte in ihrer Bedeutung für die „neuere Täterforschung“ erörtert werden. Folgende Fragen stehen dabei im Vordergrund des Seminars: Wie reagiert die zeithistorische Forschung auf geschichtspolitische Kontroversen über die NS-Vergangenheit, und wie gestalten die Geschichtswissenschaften den öffentlichen Diskurs mit? Inwieweit bestimmen neben geschichtspolitischen Aspekten und auch generationelle Erfahrungen und forschungspraktische Gründe die historische Forschung? Welche Qualitäten braucht ein wissenschaftliches Fachbuch, um eine öffentliche Debatte zu initiieren? Inwieweit betreiben Historiker Geschichtspolitik?

Literatur: Kershaw, Ian, Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick, erw. und überarb. Aufl., Hamburg 1999. Nicolas Berg, Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung. Göttingen 2003. Reichel, Peter, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur in Politik und Justiz, München 2007.

 

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