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Dr. Kathrin Kollmeier

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Ein „Volk der Staatenlosen“?
Zur Semantik politischer Zugehörigkeit im 20. Jahrhundert

Das Projekt untersucht die Entstehung und Wahrnehmung von Staatenlosigkeit im 20. Jahrhundert, um den Wandel zentraler Konzepte politischer, sozialer und recht-licher Zugehörigkeit in Westeuropa am Ausnahmefall zu erfassen – wenn die Verbindung zwischen Individuum und Staat, durch Repräsentation und Recht, fehlt. Die Zuordnung zu „Volk“ oder „Nation“ bildet, basierend auf Abstammung und Loyalität, den Kern nationalstaatlicher Souveränität und die Grundlage für Staats-bürgerschaft. Wenn diese fehlt oder prekär wird, so die Ausgangshypothese, hat dies entscheidende Auswirkungen auf die politischen Grundlagen der Gesellschaft. Die historische Entwicklung massenhafter Staatenlosigkeit in den politischen Umbruchs¬situationen wie ihre Wahrnehmung und Regulierung sind daher aussagekräftig für den Wandel politischer Grundlagen und Kultur im von Prinzip und Realität der Nationalstaaten dominierten Jahrhundert.

Mit Blick auf die rechtliche, politische und kulturelle Semantik werden Reaktionen auf und Diskurse über Staatenlosigkeit in Frankreich und Deutschland für verschiedene Zeiträume vergleichend betrachtet: Fallstudien erfassen die Zwischenkriegszeit mit der europäischen „Flüchtlingskrise“, die Herausbildung der grundlegenden UN-Konventionen und Mandate in den 1950/60er Jahren sowie die Entwicklungen nach dem Umbruch der 1990er Jahre. Angesichts der Unsichtbarkeit eines marginalisierten Phänomens liegt besonderes Augenmerk auf semantischen Auslassungen, in der die spezifische Problematik von anderen Diskursen überdeckt wird.

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