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Bodo Mrozek

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„Der Duft der anderen. Eine olfaktorische Geschichte der deutschen Teilung 1949-2000“


Die räumliche Teilung Deutschlands war nicht nur ein politisches Ereignis. Aus Perspektive der sensory studies lässt sie sich als ein Prozess verstehen, der tief in die Chemie der Umwelt und sogar in die Biologie der Menschen eingriff. Gerüche waren ein zentrales Gebiet, auf dem Differenz sinnlich erfahren und artikuliert wurde. Das Projekt untersucht, wie nicht nur unterschiedliche smell scapes entstanden, sondern auch, wie sich die Sensibilitäten der Menschen veränderten – etwa im Verhältnis zu Lebensmitteln, Produkten und Industrielandschaften. Zentrale Untersuchungsgebiete sind Vergleiche von Geruchskonflikten, Abgaspolitiken sowie Parfum- und Kosmetikindustrien. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Phasen der politischen und der räumlichen Teilung, der osmotischen Angleichung während der „langen Wende“ sowie der erinnerungskulturellen Rekonstruktion der Nachwendezeit, in der Gerüche ebenfalls eine wesentliche Rolle (etwa in „Ostalgie“ und „Westalgie“) spielen. Ziel des Projektes ist es damit, Erkenntnisse nicht nur über die alltags- und umweltgeschichtliche Tiefe der Teilung zu gewinnen, sondern auch über die zeitlich spezifische und politisch-kulturelle Bedingtheit der Sinne als Wahrnehmungsorganen zwischen Biologie und Kognition. Damit versteht es sich als Beitrag zu einer Zeitgeschichte der Sinne.
 


"Delinquenz und Normalisierung. Von der Jugend- zur Popkultur: eine transnationale Geschichte 1953-1966"

(Das Dissertationsprojekt wurde am 12. Juli 2016 erforgreich abgeschlossen)


Das Projekt analysiert die Entstehung einer internationalen Jugend- und Popkultur in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Zwei gegenläufige, aber eng mit einander verbundene Entwicklungen werden herausgearbeitet: 1. Die Konstruktion und Kriminalisierung jugendlicher Straßenstile, Sounds und Kulturprodukte in Sozialfiguren wie „Halbstarke“, „Teddy Boys“, „blousons noirs“ oder „juvenile delinquents“ und deren Verpolizeilichung in regulativen und sozialpräventiven Maßnahmen. 2. Die durch starke kulturkonservative Widerstände von links und rechts gebremste Etablierung internationalisierter altersspezifischer Formate in Kino, Print, Funk und Fernsehen.

 

Beide Prozesse sind eng miteinander verschränkt: Fiktionale Images mündeten in Politiken, die mit Verboten und Geboten zur weiteren Ausdifferenzierung einer eigenständigen Lebensphase Jugend beitrugen. Umgekehrt wurden politische Maßnahmen und sozialpsychologische Untersuchungen durch Kino und Presse fiktionalisierend ausgestaltet. Neue Medienformate trugen zur Verschriftlichung und Visualisierung der zuvor stark audiophon geprägten Popkultur bei. Innerhalb des Dekaden-übergreifenden „ungeraden Jahrzehnts“ zwischen den „cinema riots“ von 1956 und der Etablierung des Begriffs Popkultur um 1966 konstituierte sich so ein Popdispositiv, das unterschiedliche Images, Produkte und Politiken hervorbrachte.

 

Anhand audiovisueller und schriftlicher Quellen aus Archiven in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, beiden deutschen Staaten und den USA werden transnationale Effekte nachvollzogen, die zu diesen Formierungen beitrugen. Jugendkultur, bedingt durch sozio-demographische und ökonomische Prozesse, strahlt im Untersuchungshorizont als Leitbild auch auf die Erwachsenengesellschaft ab und dient als dystopische Projektionsfläche sowie utopischer Erwartungshorizont von Zukunftspolitiken.

 

 

 

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