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Patrick Bernhard, Ph.D.

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Die faschistischen Metropolen Berlin und Rom. Architektur, Herrschaftsrepräsentation und Wohnungsbaupolitik in transnationaler Perspektive

Nach dem Willen Mussolinis und Hitlers sollten die Metropolen der beiden faschistischen Reiche eine grundlegende städtebauliche Umgestaltung erfahren. Während der deutsche Diktator Berlin zur Hauptstadt Germania ausbauen wollte, plante man südlich der Alpen gar ein zweites Rom für das 1936 vom Duce ausgerufene Impero. Zu den beiden megalomanen Projekten liegen zwar inzwischen Einzelstudien vor. Es fehlen aber Arbeiten, die in transnationaler Perspektive nach möglichen Austausch- und Lernprozessen zwischen den Siedlungspolitikern und Stadtplanern in beiden Ländern fragen. Dabei hat die neuere Forschung für andere Politikfelder gezeigt, wie sehr die beiden faschistischen Regime letztlich aufeinander bezogen waren, und damit unter Beweis gestellt, welch enormes Erkenntnispotenzial gerade komparative Studien für eine zunehmend europäisierte Geschichtsschreibung besitzen.

Die zentrale Bedeutung der Wissenschaft als einer tragenden Säule des Nationalsozialismus ist in der neueren Studien zur NS-Geschichte akzentuiert worden, allerdings erstreckt sich dieses Interesse bislang kaum auf die Frage nach der Kooperation von Fachleuten im faschistischen Achsenbündnis. Tatsächlich haben meine Vorarbeiten ergeben, dass die Städtebau- und Sieldungsexperten seit der Machtergreifung Hitlers ausgesprochen aufmerksam die städtebauliche Entwicklung Roms bzw. Berlins beobachteten. Im Zentrum des gegenseitigen Interesses standen Fragen wie die Altbausanierung, die Enteignung privaten Baugrunds für die geplanten repräsentativen Großbauten in den beiden Hauptstädten und die Schaffung gesunden Wohnraums vor allem für kinderreiche Familien, deren Förderung in beiden Regimen vor dem Hintergrund einer rassisch fundierten Bevölkerungspolitik von zentraler Bedeutung war.

Im Rahmen der 1936 ausgerufenen „Achse Berlin-Rom“ gerieten beide Metropolen dann nicht nur zu Bühnen, um das faschistische Achsenbündnis etwa beim Besuch Hitlers in Rom 1938 propagandistisch groß in Szene zu setzen. Wie etliche andere deutsche und italienische Großstädte wurden Rom und Berlin zudem zu Städtepartnern. Schüleraustausche und Studienreisen von Kommunalbeamten sollten die Basis der beiden Führerdiktaturen erreichen und damit der unheilvollen Allianz der Diktatoren die notwendige Tiefe und Breite verleihen.

Diese Zusammenarbeit endete keineswegs mit Beginn des Zweiten Weltkriegs. Ganz im Gegenteil: Die städtebaulichen Planungen, die in beiden Regimen für die Zeit nach dem erwarteten Sieg der Achsenmächte angestellt wurden, waren stark aufeinander bezogen. So weist vieles darauf hin, dass das Legge Urbanistica von 1942, das ganz dem Gedanken der überregionalen Planung verpflichtet war und eine verstärkte „Entstädterung“ vorsah, als Referenzpunkt für die entsprechenden deutschen Konzeptionen diente. Hier zeigt sich, dass die beiden Regime offensichtlich einen ganz ähnlichen Weg in eine faschistische Moderne einschlugen.

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