Alter, Pflege, Wohlfahrtsstaat.
Gesellschaftliche Herausforderung und sozialpolitische Bearbeitung in der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und Italien, 1960-1990
Die Studie untersucht die Herausbildung der Altenhilfepolitik als neues sozialpolitisches Handlungsfeld und den damit verbundenen Wandel von Wohlfahrtsstaatlichkeit. Ausgangspunkt sind soziostrukturelle und –kulturelle Veränderungsprozesse, konkret die Entwicklung zu einer „Gesellschaft der Alten“. Angesichts der steigende Zahl von Personen, die einsam, vom psychischen und physischen Verfall betroffen auf die Hilfe Dritter angewiesen waren, etablierte sich die Altenhilfepolitik neben der Rente als zweiter Pfeiler der Altenpolitik.
Methodisch geht es um einen exemplarischen Vergleich von drei unterschiedlich konstruierten Wohlfahrtsstaaten: der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und Italien. Nationale Besonderheiten werden dadurch einerseits profiliert, andererseits dient der komparatistische Zugang aber auch dazu, grenzübergreifende Entwicklungen des Wohlfahrtsstaats, insbesondere mit dem Blick auf das wenig erforschte südeuropäischen Modell herauszuarbeiten. Die Frage nach Transferprozesse und die Bedeutung supranationaler Organisationen wie der World Health Organization werden in den Vergleich integriert.
Der Vergleich erfolgt auf drei Ebenen: Erstens geht es um soziale Basisprozesse und die daran anschließenden gesellschaftlichen Diskussionen über die Hilfs- und Pflegebedürftigkeit im „vierten Alter“. Zweitens werden die sozialpolitische Diskussion und Bearbeitung beleuchtet, die Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise durch Gerontologie und Geriatrie untersucht, sowie die Bedeutung religiöser Denkmuster thematisiert. Drittens fokussiert die Studie Veränderungen wohlfahrtsstaatlicher Arrangements zwischen Staat, Markt, Wohlfahrtsverbänden und Familie und diskutiert die Herausbildung neuer Formen von Sozialstaatlichkeit.